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  • Kritik: Istvan Szabos bewegendes Kino-Epos

    Der britische Schauspieler Ralph Fiennes hat schon große Auftritte im Kino gehabt - in "Schindlers Liste", in "Der englische Patient". Nun aber hat er all das in einem Film, in dem er gleich drei Rollen verkörpert, noch übertroffen: Fiennes ist das Zentrum des Familienepos "Ein Hauch von Sonnenschein" vom ungarischen Meisterregisseur Istvan Szabo.

    Ab dem 27. Januar kommt dieses bereits mit mehreren Europäischen Filmpreisen ausgezeichnete Werk auch auf die Leinwände in Deutschland. Sicher keine leichte Kost, doch gewiss ein bewegender Rückblick auf das Schicksal einer ungarischen Familie, der ihre jüdische Herkunft zum Verhängnis wurde.

    Am Anfang sehen wir, wie sich der Kräuterschnaps-Erfinder Aaron Sonnenschein in der Provinz Ungarns in die Luft sprengt. Zweifellos ein tragisches Unglück, doch eigentlich ein Glück für den Sohn Emmanuel, denn der wird mit des Vaters Getränk in Budapest zum reichen Fabrikanten. Stolz ist er auf seine begabten Söhne Ignatz und Gustave, aber auch auf die anmutige Adoptivtochter Valerie. Ignatz ist aufstrebender Jurist in der Donaumonarchie, für die Karriere opfert er sogar seinen auf die jüdische Herkunft deutenden Namen, mit ihm magyarisiert schließlich die ganze Familie Sonnenschein zu Sors. Noch wissen sie alle nicht, dass ihnen dieser nicht ganz leichte Schritt künftiges Leid nicht ersparen wird.

    Nach dem Zusammenbruch der alten europäischen Ordnung 1918 gerät auch das Leben der Sonnenschein-Sors aus den gewohnten Bahnen. Zuvor schon hatte allerdings die Heirat von Ignatz mit seiner Adoptivschwester Valerie hohe Wellen in der Familie geschlagen, dazu auch Gustaves Hinwendung zu den radikalen Sozialisten. Der alte Aaron stirbt, Valerie beginnt ein Verhältnis mit Gustave, Ignatz kommt in der kurzzeitigen ungarischen Räterepublik in Haft und stirbt 1930 verbittert. Seine Söhne Adam und Istvan entwickeln sich gut, Adam wird sogar nach dem Gewinn der Fecht-Goldmedaille bei der Olympiade in Berlin 1936 zum Nationalhelden. Doch auch Ungarn wird vom Gift der Nazis infiziert, der Juden-Verfolgung.

    Das schreckliche Ende Adams als Gefangener in einem Arbeitslager gehört zu den zugleich erschütternden wie filmisch herausragend gestalteten Szenen des Films, der bei einer Länge von vollen drei Stunden auch schwächere Phasen enthält. Dazu zählt auch der letzte Teil, in dem Adams überlebender Sohn Ivan, traumatisierter Augenzeuge des Mordes an seinem Vater, im Mittelpunkt steht. Der wiederum von Fiennes gespielte Ivan wird Parteigänger der Kommunisten. Doch nach leidvollen Erfahrungen mit dem Stalinismus nimmt auch er an dem gescheiterten Aufstand von 1956 und der Tragödie seines Volkes teil.

    Als er aus dem Gefängnis entlassen wird, stirbt die uralte Valerie mit den Worten: "Es ist nicht die Welt, die sich verändern muss. Es ist die Art, wie du sie betrachtest." Das sind zwei Sätze, die nachklingen aus einem Film, der viel mehr ist als Unterhaltung oder Spektakel. Szabo ist zwar nicht ein ähnlicher großer Wurf gelungen wie einst mit "Mephisto". Dazu hat er zu viele Zeitebenen und Handlungsstränge eingebaut, weniger wäre mehr gewesen. Doch "Ein Hauch von Sonnenschein" ist ein lohnendes Kinoerlebnis, denn es ergreift oft die Herzen.

    Fiennes ist grandios, die junge Valerie wird von der aufstrebenden Britin Jennifer Ehle seelenvoll, die alte Valerie von deren leiblicher Mutter Rosemary Harris mit großer Würde dargestellt. Im internationalen Ensemble befinden sich auch die Deutschen Hans Zischler und Rüdiger Vogler neben vielen anderen in Nebenrollen. Der Ungar Szabo hat nach eigener Auskunft keinen autobiografischen Streifen gemacht. Aber er hat der tragischen Geschichte seines kleinen Lands im letzten Jahrhundert ein filmisches Denkmal gesetzt, das die Welt schätzen sollte.

    Wolfgang Hübner, AP

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