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  • Kritik: Ironie und Esprit aus Brasilien

    Um einen Kopierer zu bedienen, muss man zwei Dinge beherrschen: «Start und Stopp, Start und Stopp». Mehr Know-How ist nach Aussage von André (Lázaro Ramos) nicht nötig.

    Dementsprechend beschämt ist der Zwanzigjährige, wenn er bei einem Date nach seinem Beruf gefragt wird. «Ich bediene einen Kopierer» - dieses Amt kommt bei den Mädchen in Porto Alegre in Brasilien nicht gut an. Aber mit seiner eigentlichen Passion, dem Comic-Zeichnen, lässt sich nun mal kein Geld verdienen. Also steht André tagtäglich in einem kleinen Laden und kopiert Bücher.

    Ablenkung von seiner mechanischen Tätigkeit bieten ihm die Textpassagen der Bücher, die er kopiert, sowie die üppigen Reize seiner Kollegin Marinês (Luana Piovani). Abends sitzt André zu Hause am Fenster, zeichnet und beobachtet seine heimliche Liebe: seine Nachbarin Sílvia (Leandra Leal) im Haus gegenüber. Um ihr Herz zu erorbern, braucht André Geld, und so kommt er auf die Idee, mit dem Farbkopierer Geldscheine zu kopieren.

    «The Man Who Copied» ist eine lebhafte Komödie voll Ironie und Esprit über einen jungen verliebten Mann, der mit Geldsorgen und mangelndem Selbstwertgefühl zu kämpfen hat. Aber da dies neben der zaghaften Romanze zwischen Sílvia und André auf Dauer etwas langweilig werden würde, erfährt die Handlung nach der Hälfte des Films noch eine witzig-bizarre Wendung.

    Aber das eigentlich Spannende ist die filmästhetische Methode, die Regisseur Jorge Furtado anwendet. Hier ist der Name des Films Programm: Furtado kopiert, collagiert und zitiert Filme, Kunst und Literatur. Der Blick Andrés auf Sílvias Wohnung etwa entspricht beinah 1:1 dem Hitchcock-Klassiker «Das Fenster zum Hof». Wie James Stewart lernt André nur Ausschnitte der kleinen Wohnung von Sílvia und ihrem Vater kennen und stellt sich mit detektivischem Spürsinn anhand der Puzzleteile ein Bild zusammen.

    Das Motiv des Puzzles und der Fragmente ist für den Film elementar: Furtado, der für seinen zweiten Langspielfilm auf Filmfestspielen und von der Vereinigung der Filmkritik gefeiert wurde, verweist damit auf die heutige Generation der Fernseh-Zapper und Internetsurfer, die - genauso wie André durch seine kurzen Bucheinblicke - «von allem ein wenig wissen und nicht viel von allem», wie Furtado es ausdrückt. Wie die Dinge dabei «auf kurioseste Weise mit einander in Verbindung gebracht werden» wird in «The Man Who Copied» auf sehr gelungene Weise umgesetzt.

    dpa

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