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  • Kritik: Intelligenter Gruselfilm

    «Der verbotene Schlüssel» ist kein Horrorfilm wie jeder andere. Zwischendurch, irgendwo zur Mitte, mag er zwar den Gedanken nahe legen, dass heutzutage alle Gruselgeschichten im Kino gleich aussehen.

    Mit einem Knall zufallende Türen, flüchtige Schatten, plötzliche Nahaufnahmen, die einen förmlich anspringen, und viele, viele sich langsam drehende Türknöpfe. Doch hier verbirgt sich hinter dem üblichen Schreck-Arsenal eine verschachtelte Geschichte, ein Rätsel, dass den Zuschauer sich selbst als Gejagten in einem diabolischen Katz-und-Maus-Spiel fühlen lässt.

    Und mit nahezu 100-prozentiger Sicherheit wird auch er genauso wie die mutige, aber mit einem Geisterhaus eher überforderte Krankenpflegerin Caroline alias Kate Hudson alle clever ausgelegten Hinweise übersehen und die schreckliche Wahrheit erst erkennen, als es viel zu spät zum Weglaufen ist.

    Von Anfang an hängt ein Gefühl der Bedrohung in der Luft, als Caroline in das alte Herrenhaus inmitten einer Plantage bei New Orleans einzieht, um den Schlaganfall-Patienten Ben, gespielt von John Hurt, zu pflegen. Ben kann nicht reden und sich nicht alleine bewegen, doch es sind seine Augen, die um Hilfe zu rufen scheinen. Die ganze Atmosphäre des alten Hauses mit dem dunklen Holz und großen Räumen ist einschüchternd, ebenso wie Bens Frau Violet (Hollywood-Veteranin Gena Rowlands), die mit Argusaugen über alles wacht.

    Caroline, die Gewissensbisse nach dem Tod ihres Vaters durch Sorge um Fremde zu unterdrücken versucht, bleibt trotz aller Zweifel in dem Haus und macht eine grausige Entdeckung: Mit einem Schlüssel, der zu allen Türen im Haus passt («Skeleton Key» auf Englisch, wie auch der Originaltitel des Films lautet), öffnet sie eine verborgene Kammer auf dem Dachboden. So findet sie heraus, dass in dem Haus einst Hoodoo - eine Abwandlung der schwarzen Voodoo-Magie - betrieben wurde.

    Hausherrin Violet erzählt nach vielem Drängen auch eine Legende dazu, von einem schwarzen Diener-Ehepaar, das Anfang des Jahrhunderts mit den Kindern der Hausbesitzer Hoodoo übte und dafür bestialisch gelyncht wurde. Deren Geister sollen es sein, die immer noch durch das Haus schweifen und auch ihren Mann fast zu Tode erschreckten.

    Der britische Theater-Regisseur Iain Softley hat bisher nur wenige Filme gemacht, es waren aber allesamt markante, aufwühlende Streifen: Die Henry-James-Adaptation «Die Flügel der Taube», «K-Pax» mit Kevin Spacey als echtem oder vermeintlichem Außerirdischen oder das Debüt «Backbeat» über die frühen Jahre der Beatles. «Der verbotene Schlüssel» war mit Mitte 40 sein erster Versuch an einer Grusel- Story. Er selbst sieht bei aller Unterschiedlichkeit des Stoffs eine Generallinie in seinen bisherigen Filmen: Geschichten um die Alternative zu dem, was wir als normales Leben kennen.

    Softley hat aus der Horror-Geschichte einfach einen schönen Film gemacht, indem er mit ungewöhnlichen Kamera-Einstellungen spielte oder liebevoll den blühenden Garten der Villa mit seinen saftigen Farben ins Bild rückte. Neben Goldie Hawns Tochter Hudson, die mit der Rolle endlich aus dem Kreislauf romantischer Komödien ausbricht, hatte er auch einen weiteren aufsteigenden Star im Team: Den 32-jährigen Drehbuchautor Ehren Kruger, der nach den Vorlagen zu «The Ring» oder «Brothers Grimm» immer mehr Einfluss in Hollywood gewinnt.

    Softley und sein Team, für das er zahlreiche Briten nach Hollywood mitbrachte, mussten viel Geduld aufbringen. Zunächst wurde Kate Hudson schwanger und die Dreharbeiten verzögerten sich entsprechend. Immerhin wurde in dieser Zeit das mehr als 150 Jahre alte Haus entdeckt. Allerdings musste der Sumpf im Garten erst mühsam angelegt werden. Später rutschte Rowlands auf einer nassen Stufe aus und musste mit gebrochener Hand fünf Wochen pausieren.

    Auch mystische Störungen soll es gegeben haben. So hätten bei Hoodoo-Szenen immer wieder Kameras versagt, erzählte Softley. Und ein durchaus bodenständiger Kameramann habe Schritte hinter sich gehört, während keiner in seiner Nähe war. «Vielleicht war es ein Riesenmoskito», scherzte ein Journalist bei der US-Pressekonferenz zum Film. «Der Verbotene Schlüssel» wurde inmitten der Insekten-Plage in den Sumpfgebieten um New Orleans gedreht. Und während sich die Crew hinter der Kamera hinter Schutzanzügen versteckte, mussten sich die Schauspieler von den Moskito-Schwärmen zerstechen lassen.

    dpa

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