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  • Kritik: Indische Lovestory

    Eine runzlige Hand wischt den Staub von hölzernen Handwebstühlen. Voller Melanacholie blickt ein alter Mann in die Halle einer indischen Teppich-Fabrik, die schon lange dem Verfall preisgegeben ist.

    An diesem vergessenen Ort nahe Kalkutta beginnt und endet Florian Gallenbergers erster langer Spielfilm «Schatten der Zeit». Es ist eine tragische Liebesgeschichte zweier Menschen, die sich im Leben immer wieder begegnen, ohne zueinander zu finden.

    In Rückblenden auf Bengali gedreht, hat dieser Film ein indisches Publikum bereits zu Tränen gerührt. Das mag erstaunen, weil Gallenberger Deutscher ist und für seine Drehbuch-Idee das erste Mal nach Indien reiste. Doch an ungewöhnliche Schauplätze ist das Publikum bei dem jungen Regisseur, Jahrgang 1972, bereits gewöhnt. 2001 gewann Gallenberger überraschend den Oscar für seinen Kurzfilm «Quiero Ser» - Drehort: Mexiko.

    Indien ist oft eine Herausforderung für Mitteleuropäer. «Es dreht einem das Hirn um», sagt Gallenberger. «Unsere Welt ist so konkret, Dinge werden gemessen und diese Messung ist verbindlich. Indien aber ist ein hochsymbolisches Land.» Symbole zählten oft mehr als Fakten. «Das löst erst einmal einen Widerstand aus.» So ist auch Gallenberger bei seinem ersten Indienbesuch «total an dem Land abgeprallt». Mit seiner Filmidee im Kopf suchte er nach passenden Schauplätzen und fand keinen Zugang zu Land und Leuten. «Erst als mich ein Freund aus Kalkutta im Land herumführte, hat Vieles ein Gesicht und einen Sinn bekommen», erinnert er sich. Den Anspruch, das Leben und die Mentalität in Indien zu verstehen, erhebt Gallenberger nicht. «Man muss schon sehr lange dort sein, um in diese verwirrende Welt einzudringen.»

    Gedreht hat er schließlich in Kalkutta, was die indischen Behörden doch sehr erstaunte. In der Stadt Mutter Teresas interessieren sich Europäer sonst eher für Dokumentarfilme über die Elendsviertel der Metropole. Gallenberger aber bestand auf einen Spielfilm am Ganges - und mit indischen Schauspielern. Der junge Regisseur erzählt die Geschichte zweier Kinder, die noch in der Kolonialzeit von ihren Eltern aus Not an eine Teppichfabrik verkauft werden. Die klassische Junge-trifft-Mädchen-Geschichte kombiniert er mit den unwägbaren Winkelzügen des Schicksals. Die Kinder verabreden bei ihrer Trennung, sich als Erwachsene im größten Tempel Kalkuttas wiederzutreffen. Doch Jahre später suchen und verfehlen sie sich, bis beide ohne große Überzeugung andere Partner heiraten. Eine unerwartete Wiederbegegnung lässt das Schicksal einen neuen Lauf nehmen.

    Was bedeutet Schicksal für einen jungen deutschen Regisseur? «Das, was im Leben tatsächlich geschieht, sind doch immer nicht die Punkte, wo man hinwollte», urteilt Gallenberger. «Wir haben unser Leben nicht in der Hand. Ich glaube, es enthüllt sich meist erst in der Rückschau». So ist es kein Zufall, dass Gallenbergers Geschichte mit den Erinnerungen eines alten Mannes beginnt.

    «Schatten der Zeit» erzählt in langen Einstellungen (Kamera: Jürgen Jürges) und opulenten Bildern manchmal bis hart an die Kitschgrenze eine klassische Liebesgeschichte. Schockierende Bilder aus den Armutsvierteln Kalkuttas erspart Gallenberger den Zuschauern ganz bewusst. Er setzt auf stille Aktionen, die erst im Zusammenhang mit der Geschichte Dramatik bekommen. Der Zuschauer ist eingeladen, mitzudenken und mitzufühlen. Den Bayerischen Filmpreis 2004 hat der Film, den Helmut Dietl («Rossini», «Late Show») mit produzierte, in diesem Jahr bereits gewonnen. Und bei ersten Voraufführungen wurde auch in deutschen Kinosälen bereits so manches Taschentuch nass.

    dpa

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