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  • Kritik: In Frankreich ein großer Publikumserfolg

    In die französische Provinz führt uns die Schauspielerin und Drehbuchautorin Agnes Jaoui in ihrem Regiedebüt "Lust auf Anderes", das ab 9. November in den deutschen Kinos zu sehen ist.

    Jaoui zeigt uns eine Figur, die man so wohl nur fern von Paris findet: den erfolgreichen Unternehmer Castella, von Jaouis Ehemann Jean-Pierre Bacri sehr glaubhaft gespielt. Er ist ein Neureicher, der trotz seiner geschäftlichen Talente, die im Film verborgen bleiben, stets unbeholfen wirkt.

    Eines Abends schleppt ihn seine Frau ins Theater, wo Racines Klassiker "Berenice" gegeben wird. Widerstrebend kommt er mit, doch beim Auftritt der Titelheldin ist es um ihn geschehen. Dabei ist Clara (Anne Alvaro), die faszinierende Theaterschauspielerin, die auf der Bühne die Berenice spielt, nachmittags als Englischlehrerin in einer Probestunde demselben Castella noch gehörig auf die Nerven gefallen. Jetzt hängt er hingerissen an ihren Lippen und ist von Racines anspruchsvollen Versen ergriffen, während sich das kunstbeflissene Publikum sehr konzentrieren muss.

    Fortan ist der schüchterne Verliebte besonders motiviert, den Englischunterricht fortzusetzen, und er akzeptiert auch Claras Methode, die Stunde möglichst nur in Englisch zu halten. Große Mühe hat er mit der Aussprache des englischen Artikels "the". Aber seine schlimmsten Momente erlebt Castella im Anschluss an die Theatervorstellungen, die er ohne Ehefrau besucht. Dann schließt er sich der Theaterclique an, und in geselliger Runde fallen seine Bildungsdefizite sofort unangenehm auf.

    Agnes Jaoui, die in einer Nebenrolle als Kellnerin und Geliebte von Castellas Chauffeur und Leibwächter zu sehen ist, setzt in ihrer Inszenierung auf leise Töne und meidet auch nur den kleinsten Anflug von Klamauk. Ihr Film steht mutig neben vielen derben gegenwärtigen Kassenschlager-Komödien, und es ist erfreulich, dass dieser Mut in Frankreich mit mehr als 3,5 Millionen Kinobesuchern belohnt wurde. Insgesamt ist ihr Film jedoch zu blass und zu schematisch geraten.

    So mag die Idee, neureicher Banause trifft auf Künstlervölkchen, noch originell sein, die Entwicklung des Plots ist es leider nicht. Der Ungebildete hat natürlich beim intellektuellen Geplauder Probleme, und die Künstler sind natürlich brotlos. Es ist auch allzu vorhersehbar, dass Castella nicht nur die Restaurant-Rechnung für alle bezahlt, sondern auch einem mittellosen Maler ein Bild abkauft. Insgesamt fehlen die überraschenden, die poetischen Momente im Drehbuch von Jaoui und Bacri, die mit ihren Vorlagen zu den Alain-Resnais-Filmen "Smoking/No Smoking" und "Das Leben ist ein Chanson" bewiesen haben, dass sie es auch besser können.

    Claus Wecker, AP

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