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  • Kritik: In "Das Trio" glänzt Götz George als schwuler Macho

    Frankfurt/Main (AP) Zobel (Götz George) und Karl (Christian Redl) sind ein alterndes Schwulenpärchen mit Beziehungsproblemen. Zusammen mit Zobels Tochter Lizzi (Jeanette Hain) halten sie sich mit Taschendiebstählen über Wasser. Als Karl bei einem Diebeszug schwer verunglückt, stößt ein neuer dritter Mann hinzu. Rudolf (Felix Eitner) ist jung, skrupellos, und er weckt in Lizzi und Zobel mehr als nur freundschaftliche Gefühle. Das fragile Familienidyll droht zu zerbrechen.

    Was sich zunächst wie das Standardrezept für einen neuen deutschen Kinolangweiler anhört, wird unter der Regie von Hermine Huntgeburth zu einem anrührenden Film über Liebe und Älterwerden. Die Geschichte von Lust und Leid einer Kleinfamilie, komisch und tragisch zugleich, gleitet weder in Tunten-Klamauk noch in klebrigen Sozialkitsch ab. "Das Trio", das am 29. Januar in die Kinos kommt, glänzt zudem mit einem Star: Götz George, der als polterndes Familienoberhaupt brilliert.

    Dazu mag beitragen, daß Zobel trotz anderer sexueller Vorlieben Züge des Ruhrpott-Kommissars Horst Schimanski trägt: Zwar trinkt er sein Bier aus Flaschen statt aus Dosen, aber auch er ist ein Macho, der von Freund und Tochter Treue und Hingabe erwartet, sich selbst aber bei den leisesten Vorwürfen gekränkt zurückzieht. Sentimental und brutal zugleich ist dieser schwule Tyrann, der Karl mit Strichjungen betrügt und andere verletzt, um seine eigene Verletzlichkeit zu überspielen.

    Auch Georges Partner Redl, bislang in Filmen wie "Der Hammermörder" auf die Rolle des Bösewichts abonniert, liefert ein überzeugendes Porträt des müden Liebhabers Karl, der sein Toupet und seinen Beruf leid ist und sich trotz aller Demütigungen nicht von Zobel trennen kann. In einer der schönsten Szenen des Films posiert Karl im blauen Paillettenkleid vor Zobel und singt dazu Otis Reddings Soul-Klassiker "My Girl", nur um wieder einmal zu erkennen, daß er dafür eigentlich schon viel zu alt ist.

    Jung und gutaussehend ist dagegen Rudolf. Er merkt bald, daß sich Vater und Tochter für ihn interessieren, und er nimmt mit, was er kriegen kann. Gekonnt spielt Felix Eitner den Jungen, der so unschuldig aussieht und doch alle hinters Licht führt. Es liegt nicht an der schauspielerischen Leistung, sondern an der Rolle, daß Rudolf keine Kontur gewinnt. Seine Motive bleiben unklar, er dient nur als Katalysator, der den zwischen Lizzi und ihrem Vater schwelenden Konflikte zum Ausbruch bringt.

    In der hervorragenden Darstellerriege fällt allein die Leistung von Jeanette Hain als Lizzi ab. Kurzhaarig und großäugig guckt sie in die Kamera, und die Melancholie beim Essen von Fertiggerichten im Wohnmobil nimmt man ihr noch ab. Als leidenschaftliche Liebhaberin und betrogene Tochter aber stößt sie an ihrer schauspielerischen Grenzen.

    Es ist aber das Drehbuch, das verhindert, daß aus einem guten ein großer Film geworden ist. Offenbar hat die Regisseurin im letzten Moment der Mut verlassen, ihre Geschichte konsequent zu Ende zu erzählen. Weil ein Happy-End wohl doch zu dick aufgetragen wäre, setzt sie auf einen versöhnlich-resignierten Abschluß. Dabei hätte dem Ganzen ein bißchen Bitterkeit und Tragik erst den letzten Schliff verliehen. Aber auch so ragt der Film weit aus dem deutschen Durchschnittseinerlei heraus.

    Von AP-Korrespondent Ralf Neukirch

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