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  • Kritik: In allen Töpfen der Emotionenküche

    Die rote Krokodilleder-Handtasche von Hermes verrät Onkel Edgar. Der Weiberheld vom Montmartre und echtes Pariser Politestablishment beglückt seine Geliebten seit Jahrzehnten mit diesem geschmackvolle-auffälligen Accessoire.

    Als die junge Amerikanerin Isabel sie nicht in ihrem Schrank versteckt, sondern durch Paris schleppt, wissen Edgars Frau, die ganze wohlsituierte Adelssippschaft und die abgelegten Geliebten von der jüngsten Affäre des eitlen Mannes. Mit diesem Potenzial an Irrungen und Wirrungen, das im Zusammenprall amerikanischer und französischer Lebensart steckt, hätte "Eine Affäre in Paris" nach dem Roman von Diane Johnson ein spritzig komischer Film werden können...

    Was Regisseur James Ivory ("Was vom Tage übrig blieb") daraus gemacht hat, erreicht jedoch weder den notwendigen Rhythmus noch die Geschwindigkeit, um den Kinogänger in Atem und bei Laune zu halten. Der prominent besetzte Film schleppt sich rührselig von einer Handlung zur nächsten.

    Eigentlich reist Isabel Walker (Kate Hudson) aus Santa Barbara nach Paris, um ihrer Halbschwester Roxanne de Persand (Naomi Watts) zu helfen. Die ist mit Onkel Edgars (Thierry Lhermitte) Neffen, einem mit sich selbst beschäftigten Möchtegern-Künstler verheiratet und damit ebenfalls mit der überheblichen Adelsfamilie verbandelt. Ihr ewig schmollender Ehemann (Mevil Poupaud) verlässt sie, obwohl sie gerade mit ihrem zweiten Kind schwanger ist. Außerdem wird die begabte Dichterin von einem bedrohlichen Unbekannten verfolgt.

    Von einem romantischen und gesellschaftlichen Abenteuer ins nächste

    Roxi leidet heldenhaft, während ihre Schwester Isabel in romantische und gesellschaftliche Abenteuer schliddert: eine weitere Liebesaffäre, darüber hinaus eine Anstellung bei einer feministischen amerikanischen Autorin (Glenn Close).

    Die intensiven Pariser Kontakte verändern Isabel. Von Szene zu Szene wird sie schicker, gediegener, französischer. Dieser Wandel beschränkt sich in "Eine Affäre in Paris" jedoch auf die Accessoires: Isabels Frisur, Unterwäsche, Kleidung und kulinarische Vorlieben. Die Figur bleibt ansonsten blass: Sie lächelt, genauso wie ihre - im Vergleich zu den Parisern - sträflich hemdsärmeligen, aber warmherzigen Eltern.

    Die kommen im weiteren Verlauf des Films angereist, um ihre Töchter zu unterstützen und das Familienerbe zu schützen. In der Erbmasse befindet sich nämlich ein, wie sich herausstellt, atemberaubend wertvolles Gemälde von Georges de la Tour.

    Unvermeidlich: Showdown auf dem Eifelturm

    Zu Isabels Affären, Roxis Scheidungsdrama und dem Bilderstreit kommen ein versuchter Selbstmord, ein Mord und ein Showdown auf dem Eifelturm: Regisseur James Ivory rührt in allen Töpfen der Emotionenküche. Für Kinogänger, die einmal im Luxus schwelgen mögen, bietet der Film, der wohl designt und üppig ausgestattet ist, viel Futter. Sie müssen aber Ausdauer mitbringen und keine ästhetischen Ansprüche an Komposition und Durchführung des Gesamtwerks stellen.

    Anne Przybyla, ddp

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