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  • Kritik: Im Zeugungswahn

    taranwalt Thomas Neumann (Herbert Knaup) hat alles, was Männerherzen höher schlagen läßt: Eine tolle Frau (Corinna Harfouch), zwei reizende Kinder, eine Nobelvilla, ein Luxuskabriolett - und neuerdings auch eine Geliebte namens Susanne (Natalia Wörner). Immer wenn es Zeit ist für ein Schäferstündchen, faxt sie ihm handgekritzelte Spermienskizzen ins Büro. Susanne legt Wert auf Timing, denn sie will nur eins: Ein Kind. Weil sich jedoch trotz siebenmonatigen Übens nichts tut, schickt sie Thomas zur Samenanalyse. Ergebnis: Der zweifache Vater war schon immer unfruchtbar...

    Mit "Irren ist männlich" hat Regisseurin Sherry Hormann drei Jahre nach ihrem Kinohit "Frauen sind was Wunderbares" eine Geschichte verfilmt, die sich vom deutschen Komödien-Standard erfreulich abhebt. Die Deutschamerikanerin zeigt Mut zur Groteske: Besessen von der Frage, wer der wahre Erzeuger "seiner" Kinder ist, lädt Thomas zwei Ex-Freunde ein, die - das hat der akribische Jurist genau recherchiert - zum Zeugungszeitpunkt "Zugriff" auf Bettina hatten. Philip (Axel Milberg) läßt er aus einer spanischen Klapsmühle einfliegen, den blinden Lorenz (Dominik Graf) aus einem düsteren Kiez-Hinterzimmer holen. Kaum sind die beiden im Haus, mutiert Thomas zum heimlichen Genforscher: Er studiert nicht nur in der Sauna die Anatomie seiner Gäste bis ins Detail. Nein, er will auch letzte Gewißheit durch einen genetischen Fingerabdruck. Also muß Blut fließen.

    Die neue Nebentätigkeit ist wenig karrierefördernd. Thomas verpaßt Büro- und Gerichtstermine. Der Versuch, daheim einen wichtigen Klienten zu bewirten, endet dank Philips wirrer Kapriolen im Chaos. Selbst Thomas' einziger Vertrauter, sein Bruder Johannes (Richy Müller), ein katholischer Priester, ist mit seinem Latein am Ende: "Ist doch eh egal, von wem die Kinder sind. Sie sind so oder so von einem Verrückten."

    Apropos: Schon allein Axel Milberg lohnt den Weg ins Kino. Doch auch Corinna Harfouch als schlaue Pragmatikerin und Herbert Knaup im Zeugungswahn machen ihre Sache gut. Leider läßt Sherry Hormann die turbulente Story in ein arg konstruiertes Happy-End münden - äußerst fragwürdig, aber sehr fruchtbar.

    Copyright: TV TODAY, 1996

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