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  • Kritik: Im Auge des Orkans

    n manchen Landstrichen von Kansas und Oklahoma steigt man bei Gewittern in den Keller - und wenn man Pech hat, ist nach dem Unwetter das Haus drüber weg. Das sind die Jagdgründe der "Storm Chaser", eines bunt zusammen-gewürfelten Haufens von Meteorologen, Tornado-Forschern und Freaks, die den Wirbelstürmen folgen und einen überstandenen Twister mit den trockenen Worten "War 'n langer Tag" kommentieren.

    Jo Harding (Helen Hunt) ist eine dieser "Sturm-Jäger". Mit ihrem Team hat sie ein Frühwarnsystem entwickelt, eine Blechkiste voller diffiziler Instrumente, die sie nach Judy Garlands Rolle im "Zauberer von Oz" Dorothy nennt. Jo hofft, daß das Gerät wie das Mädchen im Märchen von einem Tornado mitgerissen wird und im Innern der Windhose Sonden aussetzt, die Daten über Stärke und Richtung des Twister liefern - erste Schritte zu einer verläßlichen Sturmwarnung.

    Just zur Erprobung des Apparats taucht Jos Noch-Gatte Bill (Bill Paxton) auf, der seine toughe Frau und die Hatz nach dem Sturm gegen eine Stadtpflanze namens Melissa und die sichere Existenz als TV-Wettermann eingetauscht hat. Bill ist unter den weiten Himmel von Oklahoma zurückgekehrt, um die Scheidung zu besiegeln. Doch da fällt sein Blick auf Dorothy, und Jo wittert ihre Chance. Als sich ein Tornado ankündigt, ist Bill wieder im Team...Daß es sich bei "Twister" nicht um einen naturkundlichen Lehrfilm, sondern um Action erster Güte handelt, garantiert schon der Name Jan De Bont. Der Regisseur, bereits mit "Speed" erfolgreich, konnte sich beim stürmischen 70-Millionen-Dollar-Abenteuer auf ein Skript von "Jurassic Park"-Autor Michael Crichton, das Produktionsimperium von Steven Spielberg und George Lucas' Special-effects-Firma ILM stützen. Was dem Plotan Raffinesse fehlt, gleichen Kamera- und High-Tech-Tricks aus. Mit dem Katz-und-MausPärchen Hunt und Paxton fand De Bont außerdem zwei Akteure, bei denen der Zuschauer wirklich mitfiebert.

    Für die eigentlichen Attraktionen des Films verließ sich De Bont ganz auf die Technik: Die Pixel-Magier von ILM generierten die schönsten Verwüstungen im Rechner, indem sie mit bis zu 15 Millionen Partikeln künstliche Wirbelstürme simulierten. Zwei Filmteams drehten außerdem Tornados auf Vorrat, die später in entsprechende Szenen kopiert wurden. So bedient der Film perfekt die hohen Erwartungen der Zuschauer: Tanklastwagen, Kühe und ganze Häuser werden wie in einem riesigen Sandkasten durch die Luft gewirbelt. Dabei präsentiert De Bont die Stürme nicht - wie in den Katastrophenfilmen der 70er üblich - als Personifikation des Bösen, sondern als neutrales Naturereignis, das die Bewohner des Mittelwestens von jeher heimsuchte. Der Rating-Jury der US-Filmindustrie war auch das noch zu heftig: Sie verpaßte dem Film die Altersbeschränkung "PG-13" (Kinder unter 13 nur in Begleitung) - wegen "intensiver Darstellung von sehr schlechtem Wetter".

    Es war wohl das erste Mal, daß sich jemand Unwetter für den Dreh wünschte. Wir brauchten diesen Sturmhimmel über Oklahoma. Aber nach drei von fünf Monaten Drehzeit war die TornadoSaison zu Ende. Schließlich mußten wir den blauen Himmel durch Bilder ersetzen, die die Sturm-Teams zuvor gedreht hatten.

    Ihre Unberechenbarkeit. Deshalb nennt man sie Twister: Sie springen hin und her. Ich habe Fotos von Dörfern gesehen, in denen einzelne Häuser zerstört waren, andere gleich nebenan blieben verschont.

    In L.A. bleiben die Menschen, obwohl jederzeit die Erde beben könnte. So ist das auch in Oklahoma. Wenn ihr Haus zerstört wird, sagen die Bewohner schlicht: "Okay, räumen wir auf. Würden Sie bitte mal aus dem Weg gehen?!"

    Das größte Kompliment war, daß nicht mal Tornado-Spezialisten den Unterschied bemerkten. Ich werde ständig gefragt: Ist das alles echt? Die Grundlage der Filmszenen waren stets Dokumentaraufnahmen. Auch bei der fliegenden Kuh. Es gibt eben in Oklahoma keine Sturmkeller fürs Vieh.

    Der Stunt-Koordinator brach sich das Schlüsselbein - das war alles. Unfälle konnten wir durch endlose Proben vermeiden. In der Hagelszene - da gab's ein paar Beulen. Zerkleinertes Eis wurde über die Szene geblasen. Ich sagte zu Bill Paxton: "Zieh dir die Lederjacke über den Kopf." Und er meinte: "Ach was." Und dann brüllte er plötzlich: "Okay, zweiter Take - ich nehm' die Jacke!"

    Ich mag's tropisch. Für meinen neuen Film haben wir in der Karibik Drehorte besichtigt. Das Team klagte: "O Gott, ist das heiß! Wir können hier nicht arbeiten." Für mich war's perfekt.

    Copyright: TV TODAY, 1996

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