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  • Kritik: "Hunger" - Erste Regiearbeit von Vilsmaier-Ehefrau Dana Vavrova

    Frankfurt/M (AP) Laura leidet an Bulimie. Wenn sie einen Freßanfall hat, stopft sich die schöne Marketingchefin einer Spielzeugfirma vom Würstchen mit Maynonnaise bis zum Schokoriegel alles in sich, was sie im Kühlschrank oder im Tresor ihres Büros gebunkert hat. Dann übergibt sie sich und wird erst unter der Dusche wieder zur smarten Karrierefrau. "Hunger - Sehnsucht nach Liebe" heißt die erste Regiearbeit der Schauspielerin Dana Vavrova, bekannt aus den Filmen ihres Mannes Joseph Vilsmaier.

    "Hunger" ist der Film zur Krankheit, an der Millionen Frauen in Deutschland leiden sollen, und er kommt stellenweise daher wie eine bebilderte Therapieanleitung. "Ich denke, daß die Zeit reif ist, daß man sich im Kino nicht nur amüsiert, sondern sich wieder sozialen und soziologischen Problemen zuwendet", macht Drehbuchautor Uli Buchner unmißverständlich klar.

    Dabei erinnert die blonde Laura in ihrer Designerwohnung an die Frau aus der Lätta-Werbung, ihr Liebhaber Simon (Kai Wiesinger mit Bart) ist natürlich ein unkonventioneller Graffiti-Künstler, der seine Schöne in einem selbstbemalten Kleinbus in die Toskana chauffiert. Die Liebesgeschichte zwischen beiden wirkt kaum glaubhaft, doch gerade sie gibt Laura im Film letztlich die Kraft, sich aus ihrer Sucht zu lösen.

    Dennoch ist "Hunger" ein bisweilen eindringlicher Film. Zunächst dank der Hauptdarstellerin Catherine Flemming, die als Laura die Freß- und Kotzanfälle bis zur Selbsterniedrigung schonungslos vor der Kamera auslebt und ansonsten erfreulich verhalten spielt. Gelungen ist auch die Musikdramaturgie, die beispielsweise überzeugend ein Cello-Präludium von Bach als Verbindung zu Lauras Kindheitstrauma einsetzt. Zudem hat die Regisseurin versucht, für die Sucht ein visuelles Konzept zu entwickeln: mit subjektiver Kamera, verzerrten Farben und Beleuchtung.

    Doch vieles bleibt allzu bemüht und vorhersehbar. Die Bulimie von Laura wirkt psychologisch nicht schlüssig, ihre Selbstbefreiung, als sie sich vorbehaltlos zu ihrer Liebe bekennt, kaum nachvollziehbar. Und so weist "Hunger" dem deutschen Film nicht die Richtung aus der Sackgasse platter Beziehungskomödien und braver Bestsellerverfilmungen, sondern ist ein leider weitgehend mißlungenes Regiedebüt einer Schauspielerin, die ihre Zukunft nicht um jeden Preis hinter der Kamera sucht.

    Ihr sei die Bestätigung des Publikums sehr wichtig, sagt die 30jährige Vavrova: "Wenn die Kinobesucher mögen, was und wie ich erzähle, ist ein nächster Film nicht ausgeschlossen. Ansonsten ist es ein zu teurer Spaß, als daß man es sich noch einmal erlauben könnte."

    Von AP-Korrespondent Uwe Gepp

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