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  • Kritik: HorrorThriller mit überraschenden Wendungen

    Zwei Männer erwachen in einem heruntergekommenen Waschraum, in gegenüberliegenden Ecken angekettet an Rohre. In der Mitte liegt ein lebloser Mann in einer Blutlache, neben ihm eine Pistole und ein Diktiergerät. Schnell wird beiden klar: Ein Perverser spielt sein Spiel mit ihnen - nur einer wird den Raum lebend verlassen.

    Die Eröffnungsszene des Thrillers «Saw»ist ebenso eindeutig wie verstörend - keine Einführung der Figuren, kein Herantasten an den Filmstoff, der Zuschauer wird mitten hinein geworfen in eine traumatische Serienkiller-Geschichte.

    Im Spielfilmdebüt des australischen Regisseurs James Wan steht nicht die kriminalistische Suche nach dem Serienmörder im Vordergrund, auch nicht die Suche des Täters nach neuen Opfern; die Story wird aus Sicht der zutiefst verunsicherten Männer erzählt: Familienvater Lawrence Gordon (Cary Elwes) und der junge Fotograf Adam (Debütant und Co-Autor Leigh Whannell) können sich nicht erklären, warum gerade sie aufeinander losgelassen werden. Doch allmählich wird in Rückblenden und Erzählungen klar, dass beide nicht zufällig vom «Jigsaw-Killer» ausgewählt wurden, der Menschen fängt und in ausweglose Situationen bringt.

    «Nach Sieben kommt nicht Acht, sondern Saw», schrieb die Filmzeitschrift «Cinema» in Anspielung auf den Thriller-Klassiker «Sieben» mit Brad Pitt und Morgan Freeman. Parallelen gibt es durchaus: Dort wählt ein Serienmörder seine Opfer nach den sieben Todsünden aus und «bestraft» sie entsprechend. Auch in «Saw» rechtfertigt sich der Täter moralisch: Menschen, deren bisheriges Leben ziel- und zwecklos war, sollen den Wert des Lebens erkennen, indem sie darum kämpfen.

    Dennoch gibt es große Unterschiede: «Sieben» bestach durch exzellente Bildersprache, ungewöhnliche Kameraführung und hervorragende Schauspieler. «Saw» hingegen sieht man das minimale Budget von nur 1,2 Millionen Dollar (920 000 Euro) an. Der Film wirkt zuweilen billig, das Cineastische fehlt. Die Szenen im Waschraum, konzentriert auf die gefangenen Männer, erinnern an ein Kammerspiel. Doch werden die beiden Hauptdarsteller dieser Rolle nicht gerecht, sie agieren mitunter hölzern. Und dennoch ist die Produktion eine sehenswerte Variation des bekannten Serienkiller-Typus.

    «Saw» lebt vor allem vom scheibchenweisen Enthüllen wichtiger Informationen. Der Zuschauer kann sich nie sicher sein, ob er auf der richtigen Fährte ist - ähnlich dem Polizisten David Tapp (Danny Glover), dessen Jagd nach «Jigsaw» zur Obsession wird. Zudem schockiert der Streifen mit den Blut triefend dargestellten sadistischen Foltermethoden «Jigsaws» - nichts für schwache Nerven, aber für Genrefans sehenswert. Am Ende wartet der Film zudem mit einer solch überraschenden Wendung auf, dass viele Zuschauer noch auf dem Heimweg über die vorangegangenen 100 Minuten rätseln dürften.

    Vermutlich dürfte dies auch ein Grund sein, warum «Saw» im Herbst zum Überraschungserfolg in den USA und Großbritannien wurde, wo er umgerechnet insgesamt mehr als 46 Millionen Euro einspielte. Eine Fortsetzung ist bereits für Halloween dieses Jahres angekündigt.

    dpa

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