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  • Kritik: Horror-Spezialist Wes Cravens Neuer: "Scream"

    Frankfurt/M (AP) Ein Beginn, der bereits nach wenigen Minuten das Publikum im Parkett in Angst und Schrecken versetzt: Da richtet sich ein hübsches Mädchen auf einen Abend ohne Eltern ein, sie will sich etwas zu essen machen, später ein spannendes Video genießen. Doch ein anonymer Anrufer, der sie erst amüsiert, dann irritiert, erweist sich als die Stimme des Todes, der das Mädchen mitsamt ihrem Freund in bestialischer Weise aus dem Leben befördert.

    Horror-Spezialist Wes Craven hat diese erste von vielen folgenden Greueltaten in seinem Film "Scream - Schrei!" mit sadistischer Präzision inszeniert und damit in den USA einen Kinohit gelandet. Aber es ist ein Erfolg, der das Medium und eines seiner reizvollsten Genres schändet. Wer so berechnend auf primitive Effekte setzt, wer die geheime und legitime Lust am Grauen im Dunkel des Kinos so schamlos ausbeutet, der offenbart tiefe Verachtung für die, denen er das Geld aus der Tasche zieht. Jede Geisterbahnfahrt auf dem Rummelplatz ist ehrlicher, nebenbei auch billiger.

    Craven zeigt, wie jugendliche Serienkiller vor der Kulisse einer idyllischen US-Kleinstadt den halben Jahrgang einer High-School dezimieren. Dabei fließt Filmblut in Strömen, wird die Leinwand zur Schlachtbank hübscher Mädchenleiber, entpuppen sich die sadistischen Mörder als Milchgesichter hinter lächerlichen Masken. All das ist nicht neu und schon gar nicht originell. Beklemmend wie selten zuvor ist aber der unverhohlene Zynismus der Filmemacher. Ebenso beklemmend ist die spielerische Beiläufigkeit, mit der Morden und Metzeln zelebriert wird. Wer "Scream" verläßt, tut das in der Gewißheit, daß Töten und Quälen eigentlich ein fast normaler Zeitvertreib an der Schwelle zum Erwachsensein sind.

    Gewiß wird der Besuch dieses Films keine Massaker von jugendlichen Nachahmern zur Folge haben. Aber der bislang kommerziell erfolgreichste Horror-Film aller Zeiten senkt die Hemmschwelle zu mörderischer Gewalt, weil er sie als aufregendes Spiel präsentiert, in dem die Grenzen zum blutigen Ernst völlig verwischt werden. Craven und seine Produzenten, die mit "Scream" eine Menge Dollars verdienen wollten und noch immer verdienen, ist viel zu raffiniert, um sich umstandslos solchen Vorwürfen auszusetzen. Deshalb hat er seinen Film mit Zitaten, Erkenntnissen und Anspielungen aus dem Grusel-Genre überreichlich versehen.

    Da werden zum Beispiel die "goldenen Regeln" verkündet, deren Verletzung tödliche Folgen zeitigt - zumindest in der Welt des von Craven entscheidend mitgeformten "Slasherfilms": Du darfst keinen Sex haben! Sex bedeutet Tod! Kein Alkohol und keine Drogen! Und unter keinen Umständen jemals sagen: "Ich komme gleich wieder!" Denn wer das sagt, kommt im "Slasherfilm" niemals wieder. Immer wieder sucht Craven mit solchen Augenblinzeleien in Richtung auf ein von Video-Kettensägenmassakern abgehärtetes Publikum die eklige Vernichtungsorgie namens "Scream" ironisch aufzuwerten.

    Doch es bleibt der Eindruck, daß das alles nur den Film vor allzu berechtigten Protesten schützen soll. Der 58jährige Craven, studierter Psychologe und Schöpfer der Horror-Kultfigur "Freddy Krueger", schickt eine ganze Riege junger Filmgesichter auf die Schlachtbank, worunter das der attraktiven Drew Barrymore hierzulande am bekanntesten ist.

    Die Schauspieler spielen unverkrampft und geben dem absurden Geschehen jene Frische, die vielleicht der Schlüssel für den großen Erfolg in Amerika war. Den hat Craven auf sein Weise genutzt: Bald wird die Fortsetztung "Scream Again" gedreht. Auf der Besetzungsliste stehen etliche weibliche Namen, darunter prominente Nachwuchsstars aus Hollywood. Das Schlachtfest wird weitergehen. Wer immer davon profitiert - die Magie des Kinos und des Horrors gewiß nicht.

    Von AP-Korrespondent Wolfgang Hübner

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