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  • Kritik: Horrorfilm "Thinner - Der Fluch" - Wundersame Verwandlung des Schauspielers John Burke

    Frankfurt/M (AP) Billy Halleck hat ein Problem: Er ist extrem übergewichtig. Als der mit allen Wassern gewaschene Advokat die Zentnerlast endlich vom Leib hat, bekommt er ein noch größeres Problem: Er magert ab zum Skelett, den Tod vor Augen. Aber es ist nicht eine plötzliche Magersucht, die den braven Familienvater in die Abgründe eines grausigen Geschehens treibt, sondern der Fluch des 107jährigen Zigeuners Tadzu Lempke. Der will damit den ungesühnten Unfalltod seiner von Halleck überfahrenen Tochter rächen. Der nur aus einem Wort bestehende Fluch des Greisen bringt den totalen Schrecken in das Leben des Anwalts: "Dünner!"

    Solche Geschichten entstammen der immer wieder verblüffenden Phantasie des Königs der Horrorliteratur namens Stephen King. Mittlerweile über 20 Filme sind nach Vorlagen Kings gedreht worden. "Thinner - Der Fluch" fügt diesen Geisterbahnfahrten im Parkett 90 angstmachende Minuten hinzu. Denn wie da eine gutbürgerliche amerikanische Existenz diabolisch zerstört wird, kann schon Angstschauder einflößen und ist zumindest für zartfühlende Gemüter mit Bedürfnis nach Happyend keinesfalls zu empfehlen.

    Wer indessen akzeptiert, daß es keinen geeigneteren Ort für kollektive Alpträume als das Kino gibt, wird von Drehbuchautor und Regisseur Tom Holland bestens bedient. Der profilierte Gänsehaut-Spezialist hat aus Kings Roman trotz aller ebenso unvermeidlichen wie unappetitlichen Schockeffekten einen Film gemacht, der auf eher subtile Art unter die Haut der Zuschauer kriecht. Das wird möglich gemacht von der genial einfachen, weil alltäglichen Ausgangssitiuation: Ein Mensch ist zu dick, er wünscht sich den Verlust der überflüssigen Pfunde.

    Aber als genau das unglaublich schnell Realität wird, ist der Preis dafür schon bekannt, nämlich Grauen, Krankheit und Mord. Daß zu alledem auch noch eine glückliche Familie zerstört und ein gemütlicher Dicker sich in ein rachsüchtiges Monster verwandelt, war für das US-Publikum zuviel: "Thinner - Der Fluch" floppte in den amerikanischen Kinos total. Das sagt in diesem Fall wenig über den Film, sondern mehr über Zuschauerbedürfnisse nach der Vernichtung des Bösen aus. Doch Holland läßt das Böse sogar triumphieren.

    Es ist natürlich von gewisser Ironie, daß im Stammland der großleibigen Fastfood-Geschädigten kaum jemand sehen wollte, wie schnell sich 300 Pfund auf die Hälfte reduzieren lassen - vorausgesetzt Stephen King verschreibt die Diät. Das hat die Verleihfirma leider dazu bewogen, den Film nur halbherzig auf dem deutschen Kinomarkt zu plazieren. Dabei sind die Künste des Make-Up-Spezialisten Greg Cannom allein einen Besuch wert: Wie der es schaffte, den normal 87 Kilo schweren Halleck-Darsteller Robert John Burke erst als fetten Koloß, dann als schwindsüchtiges Gerippe erscheinen zu lassen, verdient größte Bewunderung.

    Aber Burke hatte auch seinen Teil dazu leisten: Er mußte Spezialanzüge von bis zu 60 Pfund tragen, in denen Puffer und Prothesen eingenäht waren, mit denen sich das Volumen von Bauch, Hüfte, Armen und Beinen ausgeklügelt variieren ließ. Für den zweiten Teil des Films mußte er eine Radikaldiät hinter sich bringen, obwohl er vor der Kamera dauernd essen mußte, da Halleck im Film auf diese Weise gegen die drohende Auszehrung ankämpft: "Es ist nicht leicht Gewicht zu verlieren, wenn man den ganzen Tag essen muß." Wer 90 Minuten Zeit hat, sollte sich im Kino dieses Spektakel nicht entgehen lassen. Es lohnt sich.

    Von AP-Korrespondent Wolfgang Hübner

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