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  • Kritik: Hollywoodroutine von Steven Spielberg

    Eigentlich beruhigend: Auch Kultregisseur Steven Spielberg, Schöpfer von Kinolegenden wie «E.T.», «Jurassic Park» und «Schindlers Liste», kann mal einen ganz normalen Film machen - leidlich witzig, leidlich unterhaltend, «kurzweilig», nannte man so was früher.

    Ab und an mal ein paar Slapstick-Einlagen, die für Gelächter sorgen im Saal, ab und an mal ein süßlicher Blick von Catherine Zeta-Jones. Und immer wieder Tom Hanks, der einen guten, tapsigen Mann aus dem Kaukasus spielt, der auf dem Flughafen von New York gestrandet ist und nun einsam und traurig seine Runden zieht. «The Terminal» heißt der Film, am 7. Oktober kommt er in die deutschen Kinos, sehenswert ist er allein wegen Tom Hanks.

    Natürlich versucht Spielberg, nach eher schwachem Start in den USA seinem Streifen noch einen gewissen Kick zu geben. «Alles hängt mit dem 11. September und mit der Terroristenangst zusammen», meint er. Mag sein. Nur fällt das dem Zuschauer in der quirligen Airport- Romanze nicht auf.

    Dabei gäbe der Stoff mehr her, zudem ist er aus dem echten Leben gegriffen: Da lebt nämlich seit 16 Jahren ein Iraner auf dem Flughafen von Paris, der Gestrandete hat sich dort häuslich eingerichtet, und obwohl die Franzosen ihm längst ein Visum geben wollten, verharrt er in der Scheinwelt des Airports - aus Angst vor dem prallen Leben. Unter Branchenkennern heißt es, Spielberg habe dem Mann ein paar Hunderttausend Dollar für die Story gegeben.

    Die vielleicht beste Szene in seinem Film kommt gleich zu Anfang: Da landet der Mann aus einer ehemaligen Sowjetrepublik in New York, und das erste, worauf sein Blick fällt, sind diese Fernsehgeräte auf dem Terminal, auf die ansonsten Reisende nur in höchster Verzweiflung stundenlanger Wartezeiten schauen. Doch Victor Navorski (Tom Hanks) sieht da die eigene Heimat in Blut und Feuer versinken, Aufruhr und Mord herrscht da. Ungläubig und Hilfe suchend versucht er sich an die Umherstehenden zu wenden, sein kleiner Heimatstaat verfällt da nach einem Putsch - und keiner schaut hin.

    Die zweitbeste Szene ist das «Gespräch» mit dem Passbeamten. «Kein Staat, keine Einreise», sagt der Mann vom Amt. Logisch, der Fremde muss draußen bleiben, nur Navorski versteht das eben nicht, kauderwelscht mit den schnieken Beamten vor sich hin. Doch schauen tut er dabei so verschmitzt, das jeder im Kino weiß: Navorski schlägt sich schon durch.

    Was dann folgt, ist Hollywoodroutine: Der kleine Mann schlägt sich tatsächlich durch, bleibt aber auf dem Airport. Ein Mann aus dem Osten mit rauer Schale, aber viel Seele, so dass sogar die schicke Stewardess (Catherine Zeta-Jones) fast mal schwach wird; aber eben auch nur fast. «Ein Film für die ganze Familie», nannte man so etwas früher, jugendfrei, ohne Sex und Gewalt oder sonst wie Beunruhigendem. Solche Filme kamen meist an Weihnachten in die Kinos. Eigentlich beruhigend, das es solche Filme noch gibt. Aber von Spielberg?

    dpa

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