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  • Kritik: Hollywood lacht - über sich selbst

    Schnappen will Shorty eigentlich niemand - haben wollen ihn dagegen alle. Denn Shorty, das ist der Spitzname von Martin Weir (Danny DeVito), einem kleinwüchsigen Hollywoodstar, der lange Schlangen an den Kinokassen garantiert. Während andere Produzenten bitten und betteln müssen, um den selbstverliebten Mimen zu einem Auftritt zu bewegen, ist sich Chili Palmer (John Travolta) vollkommen sicher, daß Shorty bei seinem Streifen dabeisein wird. Denn Chili ist hauptberuflich Geldeintreiber für die Mafia und hat als solcher eine ganz simple Überzeugungsmethode: Seine Klienten bekommen so lange etwas in die Fresse, bis sie spuren.

    Auf die Idee, seine kriminellen Erlebnisse auf Zelluloid zu bannen, verfällt Chili ganz plötzlich, als er Harry Zimm (Gene Hackman) kennenlernt. Der ist nämlich Produzent von achtklassigen Sex- und Horrorstreifen und bis über beide Ohren bei einem Las-Vegas-Gangster verschuldet. Beim gemütlichen Plausch mahnt Chili deshalb nicht nur die ausstehende Wettschuld an, er heckt mit dem größenwahnsinnigen Schundfilmer auch einen neuen Streifen aus. Harry kümmert sich um die technischen Belange, Organisationstalent Chili besorgt die Gelder - und Shorty. Klar, daß Harrys Geliebte, die mittelmäßige Schauspielerin Karen (Rene Russo), auch mitspielen darf. Vom Plan bis zum fertigen Film ist es allerdings noch ein weiter Weg. Und der wird gesäumt von Dealern, Killern, aufmüpfigen Weibsbildern und lästigen Ordnungshütern...

    "Get Shorty" (so der Originaltitel) war in den USA der Überraschungserfolg dieses Winters. Stolze 70 Millionen Dollar spielte die schwarze Komödie ein, mehr als doppelt soviel wie etwa der letzte Stallone-Film "Assassins". Damit hatte - trotz Star-Power und des erfolgverwöhnten Regisseurs Barry Sonnenfeld, der die beiden "Addams Family"-Filme drehte - niemand gerechnet. Vielmehr war man davon ausgegangen, daß sich die hintersinnige und bei aller Rasanz überaus cineastische Satire wohl nur zum Kritikerliebling und Geheimtip entwickeln würde.

    Der unerwartete Zuspruch dürfte vor allem Elmore Leonard gefreut haben, auf dessen Roman der Film basiert. Mit "Get Shorty" schrieb sich Leonard einst seinen Frust über Hollywood von der Seele - und geizte dabei nicht mit persönlichen Anspielungen. Die Figur des eitlen Martin Weir etwa orientiert sich an dem realen, von Leonard inbrünstig gehaßten Dustin Hoffman. Produzent Harry Zimm ist eine Karikatur von Menahem Golan, der einst Leonards Roman "52 Pick Up" zum Schundfilm verhunzte. Und die Figur der Karen? Kavalier Leonard nennt keinen Namen. Nur soviel: "Ihre Talente lagen eher im Bett als vor der Kamera." Jetzt genießt der Krimi-Autor die längst überfällige Rehabilitation. Nachdem einer seiner Stoffe kongenial, hinreißend komisch und mit unglaublich viel Stil fürs Kino adaptiert wurde, reißen sich nun auch die Produzenten um ihn, als wäre er Shorty persönlich. Und so beendet Leonard gerade seine zehnjährige Schreibtischabstinenz: Momentan arbeitet er am Drehbuch zu "Get Shorty 2".

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