40.000
  • Startseite
  • » Kritik: Hölzerne Adaption des Bestsellers
  • Kritik: Hölzerne Adaption des Bestsellers

    Mit seinem Debütroman «Die Geisha» landete der US-Amerikaner Arthur Golden (49) vor sechs Jahren weltweit auf Anhieb einen Bestseller. Die Jahrzehnte umspannende Saga vom Leben eines zum Luxusspielzeug versklavten japanischen Fischermädchens fasziniert mit psychologischem Feingefühl, aufschlussreichen Bildern west-östlicher Historie und facettenreichen Kulturstudien. Die Erwartungen an eine Adaption des Romans für die Leinwand waren entsprechend hoch.

    Die glutvolle Geschichte der 1929 als Kind aus einem ärmlichen Küstendorf in die Stadt verkauften Sayuri (Suzuka Ohgo) bietet reichlich Stoff für großes Kino: Liebe, Lust und Leid geben dem Schicksalsepos eine oft geradezu berstende Spannung. Die Reflexion gesellschaftlicher Wandlungen in der Mitte des 20. Jahrhunderts im Spiegel persönlicher Irrwege verleiht der im Prinzip uralten Mär vom sich gegen alle Stürme der Zeit tapfer behauptenden Menschenkind zudem Gewicht. Und die kenntnisreiche Schilderung der dem Außenstehenden geheimnisvollen Welt der Geishas garantiert beim Lesen überraschende Erkenntnisse.

    Als bekannt wurde, dass Steven Spielberg (59) die Inszenierung übernehmen würde, stieg die Vorfreude auf die Verfilmung noch an. Schließlich hatte der Star-Regisseur mit Hits wie «Die Farbe Lila» und der «Indiana Jones»-Trilogie bewiesen, dass er Action und Anspruch, Gefühl und Geschichtsbewusstsein, Kulturbetrachtungen und Kommerz aufs Beste verbinden kann. Doch dann sagte Spielberg wegen angeblichen Zeitmangels ab, blieb lediglich als einer der Produzenten beteiligt. Rob Marshall (46), der gerade für seinen Kino-Erstling «Chicago» mehrere «Oscar» eingeheimst hatte, griff zu.

    Der Musical-Experte Marshall dampft die Story auf eine Show des Exotischen ein. Vom gehaltvollen Buch bleibt dabei kaum mehr übrig als eine sentimentale Schnulze um zickig-rivalisierende Frauen und Liebesnöte. Sayuri, die schließlich Chiyo heißt, und als Erwachsene von Zhang Ziyi verkörpert wird, ist bei ihm nicht wie in der Vorlage Goldens eine verzweifelt nach der eigenen Identität suchende Gefangene sozialer Zwänge.

    Marshall reduziert die Figur auf den Typ der romantisch verklärten Edel-Dirne. Der politische Hintergrund schrumpft dabei zur pittoresken Kulisse. Das gilt selbst für den Zweiten Weltkrieg, der unwiderruflich den Untergang der Jahrhunderte alten Geisha-Kultur einläutete. Hier mutet er an wie ein Karnevalsausflug von trunkenen Haudegen in Soldatenkostümen. Der Reichtum des Romans wird billigem Kitsch geopfert.

    Bemerkenswert sind allein die handwerklich perfekt servierten Oberflächenreize, wie die bis zum letzten Lampion detailgetreuen stilisierten Tableaus aus dem Japan der 1930er und 1940er Jahre und die Präsenz der exzellenten chinesischen Aktricen Zhang Ziyi und Gong Li sowie der Malaysierin Michelle Yeoh in den Hauptrollen. Die drei fernöstlichen Stars sind eine Augenweide. Als Schauspielerinnen allerdings werden sie aufs Posieren in schicken Kostümen reduziert.

    Das Engagement der drei Diven für die entscheidenden Parts löste in Asien übrigens weithin Unmut aus. China hat Japan bis heute den Krieg nicht verziehen und umgekehrt blickt Japan nach wie vor wegen des Krieges abweisend auf China. So löste, abgesehen von den höchst unterschiedlichen kulturellen Hintergründen, beidseitig insbesondere Empörung aus, dass ausgerechnet durch chinesische Filme bekannt gewordene Aktricen Japanerinnen während genau dieses Krieges verkörpern. Ein Indiz für Ignoranz von Rob Marshall und seinem Drehbuchautoren-Team gegenüber der Wirklichkeit und gegenüber der Romanvorlage?

    Eine Schlüsselszene des Films scheint dies nahe zu legen: Chiyo wird als Geisha in die so genannte feine Gesellschaft eingeführt und muss dazu einen Tanz vorführen. So, wie im Film absolviert, hat das nichts mit den strengen Regeln der Geisha-Kultur zu tun, sondern mutet an wie die fernöstlich verbrämten Verrenkungen eines Broadway-Girls, dass sich als Ausdruckstänzerin versucht.

    Zur Langeweile gesellt sich spätestens hier auch Peinlichkeit. Kein Wunder, dass die Hollywood-Version des nach wie vor überaus lesenswerten Romans selbst das als eher wenig anspruchsvoll geltende US-Publikum kalt lässt und die Kassen weit seltener klingeln als von den Produzenten erhofft.

    dpa

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Donnerstag

    -1°C - 5°C
    Freitag

    2°C - 6°C
    Samstag

    4°C - 8°C
    Sonntag

    4°C - 8°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Rock am Ring geht zurück

    Das Rockfestival findet 2017 nicht mehr in Mendig, sondern wieder am Nürburgring statt. Was sagen Sie zu diesen Neuigkeiten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!