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  • NürnbergKritik: Höllentrip eines Rikscha-Fahrers in Vietnam

    Vietnam heute, zwei Jahrzehnte nach Kriegsende: Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) hat sich zu einer wildwuchernden, übervölkerten Metropole am Rande des Chaos entwickelt. Die Straße ist der Arbeitsplatz des Cyclo: Mit seinem Fahrradtaxi ist er von morgens bis abends unterwegs, bahnt seinen Kunden einen Weg durch Scharen von Motorrollern und Trucks, Slums und Hauptstraßen, Lärm und Staub - und liefert dem Pariser Exil-Vietnamesen Tran Anh Hung den Stoff für seinen neuen Film "Cyclo", ein poetischer Thriller mit berauschenden Bildern der fernöstlichen Metropole.

    Seit dem Tod seines Vaters strampelt sich der 18jährige Cyclo - der Name ist die alte kolonial-französische Bezeichnung sowohl für eine Fahrrad-Rikscha als auch ihren Fahrer - für den Lebensunterhalt seiner beiden Schwestern ab. Seine Welt gerät aus den Fugen, als ihm sein Fahrzeug gestohlen wird. Für Cyclo (Le Van Loc) beginnt ein Höllentrip durch die Unterwelt von Ho-Chi-Minh-Stadt. Dabei wird er selbst in Gewalt, Korruption und Drogenhandel verstrickt. Auch seine ältere Schwester gerät in die Hände der Gangster. Aus Liebe zum Anführer der Bande verkauft sie ihre Jungfräulichkeit.

    Die Idee zu "Cyclo", der dieses Jahr als bester Film des Festivals in Venedig mit "Goldenen Löwen" ausgezeichnet wurde, kam dem Regisseur in Vietnam. Fasziniert vom pulsierenden Leben in der Stadt, registrierte er gleichzeitig einen physischen und moralischen Verfall. "Mit dem westlichen Einfluß kam auch Geld in das Land und damit moralische Erschöpfung", sagt Hung. "Das Thema des Films ist deshalb die Bedrohung der Unschuld eines Landes." Die zentralen Figuren verkaufen ihre Unschuld, ihre Geschichte sieht Hung als Metapher für den Zustand des Landes.

    In intensiven Bildern zeichnet der in Paris lebende Regisseur das Bild einer Gesellschaft zwischen Gewalt und Poesie. "Die Hülle ist brutal, aber der Inhalt oft voll Zärtlichkeit, das macht die Gewalt fast unerträglich." Während Hungs Debütfilm "Der Duft der grünen Papaya" durch seine sinnlichen Bilder begeisterte, erscheint "Cyclo" als düster-gewalttätiges, melancholisches Vietnam-Panorama. "Ich will den Zuschauern das Land näherbringen", erklärt Hung. Doch weil das den Rahmen eines Filmes sprengen würde, plant er bereits eine weitere Produktion über seine frühere Heimat. "Ich muß mich beeilen, denn die Situation ändert sich ständig."

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