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  • Kritik: Hochkarätig besetzter Episodenfilm

    36 Stunden in der Stadt der gefallenen Engel. Der ganz normale Wahnsinn nimmt seinen Lauf. Es beginnt mit einem scheinbar harmlosen Auffahrunfall. Zwei farbige Jungs reißen sich später die Luxuskarosserie eines ehrgeizigen Staatsanwalts unter den Nagel. Dessen Frau stirbt fast vor Angst.

    Ein Streifenpolizist lässt seinen Frust an unschuldigen Verkehrsteilnehmern aus, ein gedemütigter iranischer Ladenbesitzer kauft sich eine Waffe. Es ist kurz vor Weihnachten, aber in den endlosen Straßenschluchten leuchtet nirgends ein Stern. Keine Hoffnung. Nur ein fünfjähriges Mädchen wird von einer Fee mit einer kugelsicheren Weste beschützt. Los Angeles kann sehr kalt sein.

    Regisseur Paul Haggis, der das Drehbuch für Clint Eastwoods vierfach oscarprämiertes Boxerdrama «Million Dollar Baby» geschrieben hat, entwirft in seinem hochkarätig besetzten Debütfilm das vielschichtige Panorama einer Metropole zwischen Hysterie und Depression. Ein gutes Dutzend Charaktere bevölkern dieses ambitionierte Asphaltdrama, namhafte Schauspieler wie Don Cheadle, Brendan Fraser, Matt Dillon, Jennifer Esposito oder Sandra Bullock spielen sehr glaubwürdig Menschen am Rande der Verzweiflung.

    Aber vieles hat man leider schon gesehen, so oder so ähnlich. Der Vergleich mit großen Vorläufern drängt sich zwangsläufig auf, aber an Robert Altmans geniale «Short Cuts» (1993), Curtis Hansons «L.A. Confidential» (1997) oder Paul Thomas Andersons apokalyptische Endzeitvision «Magnolia» (1999) kommt «L.A. Crash» einfach nicht heran.

    Paul Haggis hangelt sich in 113 Minuten durchaus gekonnt von Szene zu Szene, aber er lässt sich einfach zu wenig Zeit, um seine interessanten Geschichten wirklich prägnant zu erzählen. Nicht nur Sandra Bullock als frustrierte Anwaltsgattin Jean Cabot hat viel zu wenig Gelegenheit, um die Charakterolle mit Leben zu füllen. Vieles bliebt Stückwerk, Fragmente eines ehrgeizigen Episodenfilms, der viel besser hätte werden können.

    Stattdessen wird über Rassismus doziert, wir erfahren einiges über das marode Gesundheitssystem der USA, Korruption bei der Polizei wird thematisiert oder die Probleme des multikulturellen Miteinanders. «L.A. Crash» packt jede Menge heiße Eisen an, um sie zu schnell wieder fallen zu lassen. Am Ende einer langen Nacht schneit es in der Stadt der Engel, und dies allein wirkt dann schon wie ein kleines Wunder.

    dpa

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