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  • Kritik: Historische Schnitzeljagd durch England

    Wissbegierig durchstöbert ein junger Amerikaner (Aaron Eckhart) in einer Londoner Bibliothek einen Stapel dicker Wälzer. Zu seiner Überraschung stößt er dabei auf einen handgeschriebenen Originalbrief von Randolph Henry Ash, dem Hofpoeten von Queen Victoria. Verstohlen blickt er sich im Lesesaal um und lässt das wertvolle Zeitdokument zwischen seinen Notizen verschwinden.

    In seinem neuen Film "Besessen" begleitet der amerikanische Regisseur Neil LaBute ("Nurse Betty") einen aufstrebenden Wissenschaftler und eine Literatur-Expertin (Gwyneth Paltrow) bei ihren verbissenen Nachforschungen, Licht in das Dunkel einer stürmischen Liebesbeziehung aus längst verstrichenen Zeiten zu bringen.

    Produzentin von "Geisterhaus" und "Die fabelhaften Baker-Boys"

    Die Vorlage zu diesem epischen Kinostoff lieferte die Engländerin Antonia S. Byatt mit ihrem Roman "Besessen", für den sie den "Booker Prize" des britischen Buchhandels erhielt. Die amerikanische Produzentin Paula Weinstein, die für Filme wie "Das Geisterhaus" oder "Die fabelhaften Baker-Boys" verantwortlich zeichnet, sicherte sich an dem Buch die Verfilmungsrechte.

    Mit der Leinwand-Adaption dieses Stoffes beauftragte sie den Regisseur LaBute, der zusammen mit der australischen Drehbuchautorin Laura Jones ("Ein Engel an meiner Tafel") und dem preisgekrönten Film- und Theaterautor David Henry Hwang das Skript verfasste. Produziert wurde die Literaturverfilmung in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Regisseur Barry Levinson, auf dessen Konto Oscar-gekrönte Filme wie "Rain Man" oder "Bugsy" gehen.

    Viktorianische Bilder verwoben mit modernen Szenen

    Bei der Umsetzung von "Besessen" war LaBute gefordert, zwei verschiedene Epochen nahtlos miteinander zu verknüpfen. Um die viktorianischen Sequenzen zu bebildern, orientierte er sich an Büchern und Filmen über die damalige Zeit. Sein dramaturgischer Ansatz sah dabei vor, die Entdeckungen des jungen Literaten-Teams in Form historischer Rückblenden zu illustrieren.

    Schritt für Schritt dem poetischen Geheimnis auf der Spur

    Schritt für Schritt kommen die beiden Wissenschaftler dem Geheimnis des britischen Poeten (Jeremy Northam) näher, dessen brennende Liebesgedichte nicht seiner eigenen Ehefrau (Holly Aird), sondern der Dichterin und Geliebten Christabel LaMotte (Jennifer Ehle) galten. Bei dieser akribischen Spurensuche, die von Yorkshire bis nach Frankreich führt, bahnt sich zwischen der frostigen Engländerin und dem unternehmungslustigen Amerikaner eine zarte Romanze an.

    Elfwöchige Dreharbeiten in ganz England

    Während der elfwöchigen Dreharbeiten reiste das Filmteam durch ganz England. Neben etlichen Schauplätzen in Yorkshire, zu denen Whitby, die Abtei in Newburgh und Broughton Hall gehörten, wurde in Lincoln, Lancaster sowie in den Londoner Shepperton Studios gefilmt. Hinter der Kamera arbeiteten an diesem Film neben dem Produzent Levinson eine Reihe weiterer Oscar-Preisträger wie die Kostümbildnerin Jenny Beavan ("Zimmer mit Aussicht"), die Produktionsdesignerin Luciana Arrighi ("Wiedersehen in Howards End") und die Cutterin Claire Simpson ("Platoon").

    Rückblenden drosseln das Tempo

    LaBute, der zuletzt im Kinofilm "Nurse Betty" gekonnt mit verschiedenen Ebenen spielte, schafft es in "Besessen" nicht, dem Zuschauer die Faszination für die historischen Figuren zu vermitteln, die seine Protagonisten bei ihren Nachforschungen antreibt. Ihre wissenschaftliche Schnitzeljagd wirkt hölzern und konstruiert. Die zahlreich eingesetzten Rückblenden verstärken das schleppende Tempo der allzu leicht vorhersehbaren Handlung, die dramaturgische Höhepunkte und Spannungselemente vermissen lässt. Über die ausschweifenden Längen des Films tröstet nur die Optik hinweg, die der französische Kameramann Jean Yves Escoffier mit opulenten Landschaftsaufnahmen angereichert hat.

    Birgit Heidsiek, dpa

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