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  • Kritik: Historienspektakel von Zhang Yimou

    Nicht kleckern, sondern klotzen: Nach dieser Devise hat der chinesische Starregisseur Zhang Yimou («Hero», «House of Flying Daggers») diesen in seiner Opulenz fast erdrückenden Kostümfilm angelegt.

    Der laut Eigenwerbung «teuerste chinesische Film aller Zeiten» wird bevölkert von Hundertschaften von Dienern, die durch die endlosen, kostbar ausgeschmückten Gänge eines gigantischen Kaiserpalastes hetzen. Gold und Brokat, wohin man blickt.

    Zugegeben, die Schauwerte des visuell überwältigenden Cinemascope- Dramas, das während der Tang-Dynastie (um 1000 n. Chr.) spielt, sind enorm - aber hinter den prächtig vergoldeten Kammern, bemalten Tapeten, vielfarbigen Fächern und maßlos leuchtenden Chrysanthemen verbirgt sich ein seltsam lebloses Historienspektakel, das sich primär in rein optischer Brillanz erschöpft.

    Dabei wagt sich Zhang Yimou an ein gewaltiges Familiendrama, wie man es sonst nur von Shakespeare kennt. Im Zentrum der Macht residiert der dämonische Kaiser (Chow Yun-Fat) und spinnt wie ein Todesengel seine grausamen Intrigen. Er lässt seine ungeliebte, durch eine Vernunftehe mit ihm verbundene zweite Ehefrau (Gong Li) von devoten Dienern langsam vergiften. Die Kaiserin wiederum hat ein Verhältnis mit ihrem Stiefsohn und plant den Umsturz, während zwei jüngere Söhne eigene Komplotte aushecken. Die vermeintlich verstorbene, erste Frau des Kaisers vervollständigt das düstere Drama, aus dem es kein Entrinnen gibt. Gefangen im Netz der Zeremonie und eingesperrt in einen goldenen Käfig wirken alle Figuren wie Rädchen in einer tödlichen Maschine.

    In dieser Konstellation ergeben sich reichlich Gelegenheiten für rasante Schwertkämpfe und detailliert choreografierte Schlachtengemälde. Ninja-Kämpfer fliegen schwerelos durch malerische Gebirgsschluchten, an der Entscheidungsschlacht am Fest der Chrysanthemen haben rund tausend Statisten mitgewirkt, Soldaten der chinesischen Volksarmee, wie das Presseheft hervorhebt.

    Im Korsett dieser theatralischen, eher statischen Inszenierung bleibt selbst eine sonst so faszinierende und starke Schauspielerin wie Gong Li als Kaiserin blass. Vielleicht lag es ja daran, dass sie an jedem Drehtag vier Stunden lang in der Maske verbringen musste, bis Garderobe, Make-up und Frisur hergerichtet waren. Mehr Schein als Sein, das ist der Fluch, dem dieser Film nicht entkommt.

    Für Zhang Yimou war es ein weiter Weg bis zu diesem pompösen Historienschinken. Der 1950 geborene Regisseur galt lange Zeit als Chinas mutigster Autorenfilmer. Seine frühen Werke wie «Rotes Kornfeld» (1987), «Judou» (1990), «Rote Laterne» (1991) oder «Die Geschichte der Qui Ju» (1992) fielen im Reich der Mitte fast immer der Zensur zum Opfer und durften nur im Ausland gezeigt werden.

    In diesen bedrückenden Parabeln über Autorität und Willkür verbarg sich immer ein anklagendes Moment. Davon kann beim «Fluch der goldenen Blume» keine Rede mehr sein. Da erscheint es als folgerichtig, dass ausgerechnet Zhang Yimou, der ehemalige Dissident, als Chefregisseur für die Eröffnungs- und Schlussfeierlichkeiten der Olympischen Spiele 2008 in Peking auserkoren wurde.

    Johannes von der Gathen, dpa

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