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  • Kritik: - "Hippolytes Fest" von Benegui startet

    München (dpa) - Zu einem unvergeßlichen Essen gehören ein genialer Koch, ein paar Flaschen superben Weins, ein Lokal mit Atmosphäre und die besten Freunde. Zu einem guten Film über ein gutes Essen gehören außerdem ein Sortiment ausgeflippter Tischnachbarn und eine Reihe von Verstrickungen, mit denen sich kleine Geschichten aufbauen lassen, die zusammen eine große Handlung ergeben. Gibt es nur einen einzigen Drehort - das Restaurant - dann müssen die Geschichten umso besser sein.

    Dem französischen Regisseur Laurent Benegui ist jetzt ein solcher Film gelungen: Unfreiwillig muß der Koch Hippolyte nach 30 Jahren sein geliebtes Restaurant "Au Petit Marguery" in einem Pariser Vorort aufgeben. Er lädt die Freunde und liebsten Gäste zu einem letzten Bankett. Auf dem Festival des europäischen Films von Le Baule wurde das Schauspieler-Ensemble 1995 kollektiv für die beste darstellerische Leistung ausgezeichnet. An diesem Donnerstag startet "Hippolytes Fest" in den Kinos.

    Der Regisseur hatte sichtbar etwas ganz anderes im Sinn als etwa Marco Ferreri im Klassiker "Das große Fressen" oder Peter Greenway mit "Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber". "Hippolytes Fest" ist weder Orgie noch groteske Performance - das Mahl bleibt bis zum Schluß appetitlich. Die 15 allerletzten Gäste des Inhaberpaares Hippolyte (glanzvoll: Michel Aumont) und Josephine (Stephane Audran) sind so alt wie das Restaurant und wie ihr eigener Sohn Barnabe (Jacques Gamblin) - es sind dessen Freunde, die wie er mit den "Au Petit Marguery" groß geworden sind.

    Da ist zum Beispiel der Homosexuelle Daniel (Alain Beigel), der geheiratet hat, um ein "normales" Leben zu versuchen. Da ist seine Frau Daniele (Laurence Cote), die Angst vor dem Festessen hat, weil da auch Agamemnon (Alain Fromager) sein wird, Daniels schriller Ex-Lover. Da ist der Penner Perle (Pierre-Loup Rajot), das Gedächtnis des Viertels. Und auch Mylene darf nicht fehlen (Claire Keim), die als Kellnerin den Küchenburschen den Kopf verdreht hat.

    Die kleinen Wahrheiten aus Vergangenheit und Gegenwart entblättern sich im Lauf des rauschenden Fests zögerlich. Die schmerzlichste liefert den Grund für die Aufgabe des Bistros und damit für das Fest: Hippolyte leidet an einem seltenen Krebs, der Geruchs- und Geschmackssinn zerstört - für einen Koch fatal. "Für mich ist Kochen eine Kunst, und der Film erzählt von einem Künstler, dem man sein Ausdrucksmittel nimmt", erläutert der Regisseur. Der filmische Autodidakt hat für seine zweite Regie-Arbeit den eigenen, teil-autobiographischen Roman "Au Petit Marguery" verfilmt, in dem das gleichnamige Lokal seiner Eltern eine Rolle spielt. Mit dem Filmemachen verschaffe er sich eine angenehme Abwechslung von der Einsamkeit des Schriftstellers - "das Leben mit hundert Personen sozusagen Tag und Nacht eine ganzes Jahr lang".

    Benegui gelingt es, in melancholischen Rückblenden den Erinnerungsfundus seiner Jugend mit dem Mythos von "la bouffe", einer in Frankreich mit Hingabe zelebrierten Völlerei, zu verknüpfen. In seinem Streifen erscheint das junge wie das alte Kino Frankreichs mit seinen besten Qualitäten: zärtlich, reich an Humor, und Gefühlen, nostalgisch und mit einer virtuos verwobenen Tragik, die mit einem - wenn auch bitteren - Lächeln weggewischt wird.

    Von Alexander Hosch, dpa

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