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  • Kritik: Himmlisches Chaos

    Ein schlecht organisierter Nachtclub, ein Dutzend schöne, äußerst zickige Tänzerinnen, eine italienische Geliebte im Eifersuchtswahn: Das Leben des Pariser Barbesitzers Antoine (Gérard Depardieu) ist eigentlich völlig in Ordnung - bis er nach Hongkong fliegt, um einem Freund aus der Patsche zu helfen.

    Antoine kommt zu spät: Der Mann ist bereits tot. Hinterlassen hat er einen fünfjährigen Sohn und 40 Millionen Dollar, die der chinesischen Mafia gehören. Deren Schläger sehen nicht nur furchterregend aus - sie haben auch in etlichen Jackie- Chan-Filmen mitgespielt. Action-Fans wissen, was das bedeutet: Antoine überlebt nur knapp, während um ihn herum die halbe Stadt zertrümmert wird. Bevor "Die Schutzengel" richtig himmlisch werden, ist erst mal ein bißchen die Hölle los.

    Regisseur Jean-Marie Poiré ignoriert jedes Tempolimit und knüpft an die Tradition der gallischen Actionkomödie an, die in Filmen wie "Zwei irre Spaßvögel" und "Die Flüchtigen" bis Mitte der 80er Jahre höchst unterhaltsame Blüten trieb - schon damals mit Depardieu, meist an der Seite von Pierre Richard. Jetzt ließ Poiré das Genre mit Riesenaufwand wiederaufleben und brach in Frankreich alle Kassenrekorde. Vielleicht auch wegen der neuen Paarung: Christian Clavier gibt herrlich trocken Depardieus Widerpart.

    Clavier spielt Pater Tarain, der bei der Flucht aus Hongkong ins Spiel kommt. Der Geistliche schmuggelt unwissentlich die Mafia-Millionen durch den Zoll und nimmt sich auch des Kindes an. Antoines Probleme scheinen gelöst, doch die Verfolger lassen sich nicht abschütteln. Außerdem muß die Mutter des Jungen gefunden werden. Die Not macht den Barbesitzer und den Pfarrer zu Verbündeten. Beide werden plötzlich von seltsamen Erscheinungen heimgesucht: Antoine begegnet seinem moralisierenden Schutzengel, den Pfarrer verfolgt ein teuflischer Doppelgänger, der ihn zur Sünde anstachelt. Die Dialoge werden schneller, die Gags absurder, die Verwicklungen unentwirrbar. Kurz: Poiré erzeugt jene herrliche Stimmung von Chaos, Sinnlosigkeit und Energieverschwendung, die für große Komödien unverzichtbar ist.

    Copyright: TV TODAY, 1996

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