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  • Kritik: Herzzerreißende, anrührende Liebesgeschichte

    Zarte Seelen sollten besser eine dicke Portion Taschentücher mitnehmen. Robert Redfords neuer Film "Der Pferdeflüsterer" ist eine anrührende Liebesgeschichte - herzzerreißend und doch anspruchsvoll. Erstmals spielt der Oscar- Preisträger die Hauptrolle und führt zugleich Regie. Dabei hat er den schmalztriefenden Bestseller von Nicholas Evans in großes Gefühlskino übersetzt. Von diesem Donnerstag (24. September) an können deutsche Redford-Fans mit dem "Pferdeflüsterer" mitleben und mitleiden.

    In dem von der Filmbewertungsstelle als "besonders wertvoll" ausgezeichneten Streifen wird die Geschichte der erfolgreichen Chefredakteurin Annie (Kristin Scott Thomas) erzählt. Als ihre Tochter bei einem Reitunfall ein Bein und das Pferd den Verstand verliert, sucht die New Yorker Karrierefrau in den Bergen von Montana Hilfe bei einem außergewöhnlichen Cowboy. Der "Pferdeflüsterer", der die Sprache der Tiere versteht, heilt nicht nur die Seele des verstörten Pferdes. Er gibt auch der Tochter ihren Lebensmut zurück - und der Mutter eine Ahnung von der ganz großen Leidenschaft.

    "Es war nicht einfach, mein eigener Hauptdarsteller zu sein", sagte Redford in einem dpa-Gespräch in München. "Regieführen ist wie die Arbeit eines Malers: Du mußt auf jedes Detail achten und darfst trotzdem nie den Blick aufs Ganze verlieren. Als Schauspieler dagegen muß man immer voll in der Situation aufgehen." Genau das aber kriegt Redford hin: Mit seinem jungenhaften Charme und seinem Naturburschen- Image ist er von der ersten bis zur letzten Minute so präsent, daß man ihm seine 61 Jahre kaum glauben mag.

    Für die Figur der Annie hatte der Filmemacher zunächst Emma Thompson im Blick. Dennoch erweist sich Kristin Scott Thomas ("Der englische Patient") als Glücksgriff. Die blonde Britin entwickelt ihre Rolle überzeugend - eine karrieresüchtige junge Frau, die den Draht zu Mann und Kind fast verloren hat und in der Liebe zu dem rauhbeinigen Pferdeflüsterer Tom ihr eigenes Herz wiederfindet.

    Anders als das Buch erzählt Redford zart und leise von dieser Leidenschaft: Ein inniger Tanz, ein langer Blick - das genügt und ist erotischer als jede Bettgeschichte. Und auch der Schluß ist gegenüber der melodramatischen Vorlage vielschichtig und offen. "Es gibt zwei Möglichkeiten, mit einem Buch umzugehen", sagt er. "Man kann es kopieren. Oder man macht daraus seine eigene Geschichte."

    Das allerdings war dem Superstar einiges wert: Drei Millionen Dollar kosteten die Filmrechte, noch ehe der inzwischen zehnmillionenfach verkaufte Roman überhaupt auf dem Markt war. Und dann wurden mit Eric Roth ("Forrest Gump") und Richard LaGravenese ("Die Brücken am Fluß") gleich zwei von Hollywoods Starschreibern konkurrierend ans Drehbuch gesetzt. Fast zwei Jahre nahm sich Perfektionist Redford für das Liebhaberprojekt Zeit.

    Nach seinen sozialkritischen, kämpferischen Filmen wie "Milagro - Der Krieg im Bohnenfeld" oder "Quiz Show" setzt er bewußt einen neuen Akzent: "Ich will von der uralten Beziehung zwischen Mensch und Tier, zwischen Mensch und Natur erzählen", sagt er. Dafür schwelgt die Kamera (Robert Richardson) in der spektakulären Landschaft des Wilden Westens, in Licht, Farbe und unberührter Natur.

    Gelegentlich sorgen Sonnenuntergänge und Zeitlupenritte für Längen in dem fast dreistündigen Opus. Aber das nimmt Hollywood-Querdenker Redford für seine Botschaft in Kauf: "Der Pferdeflüsterer ist ein Held, weil er heilt und die Seele rettet. Die Menschen wollen glauben, daß jemand wie er wirklich existiert." Vielleicht reicht es manchmal schon zu wissen, daß ein Filmemacher wie Redford wirklich existiert.

    Nada Weigelt, dpa

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