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  • Kritik: Helmut Dietl mit Biss - Satire ums TV-Geschäft

    Von seinen "Münchner Geschichten" bis zu "Rossini" hat Erfolgsregisseur Helmut Dietl immer wieder die weißblaue Schicki- Micki-Szene liebevoll auf die Schippe genommen. Diesmal ist das Fernsehen dran. Mit seinem neuen Kinofilm "Late Show" wechselt der deutsche Satirepapst ins Kölner Medienmilieu - und wird noch eine gute Portion bissiger als bisher.

    Pointiert und köstlich überdreht zeigt er das Showgeschäft im Fernsehen als gnadenlosen Kampf um Macht, Geld und Quoten.

    Mit Thomas Gottschalk und Harald Schmidt hat Dietl für "Late Show" (Kinostart 25. Februar) zwei Hauptdarsteller gewonnen, die es wissen müssen. SAT.1-Entertainer Schmidt spielt im Film einen gestreßten Programmdirektor, dessen Fernsehsender Tele C kurz vor dem Ruin steht.

    Ex-Radiomoderator Gottschalk mimt einen schlagfertigen Radioplauderer, der mit seinem Wechsel ins TV-Fach für den nötigen Quotenkick sorgen soll. Der blonde Strahlemann findet sich schließlich in den Kulissen einer TV-Show wieder, die im echten Leben zur "Harald Schmidt Show" gehören. Alles in dieser Geschichte hat einen doppelten Boden - und auch der wird immer wieder weggezogen.

    "Ich hab' es nicht auf Irritation angelegt", sagt Dietl im dpa- Gespräch. "Aber es ist reizvoll, mit diesen verschiedenen Ebenen zu spielen." Dabei will er seine Figuren nicht denunzieren, sondern in ihrer Abhängigkeit zeigen - Marionetten in der Medienmaschinerie.

    Dietl, erneut in der Dreifachfunktion als Drehbuchschreiber, Regisseur und Produzent, hatte den Film nicht von Anfang an fürs Kino geplant - die Entscheidung wurde in der Kooperation mit dem WDR zunächst offengehalten. "Das war ja ein ziemliches Risiko mit dieser Besetzung", gesteht der Filmemacher. "Schließlich sind Schmidt und Gottschalk keine Schauspielprofis. Ich wußte nicht, ob das hinhaut."

    Hat es aber. Vor allem Harald Schmidt läuft in seiner Rolle als gebrochener Quotenschneider zu Großform auf. Genüßlich läßt er sich von seiner ausgestochenen Konkurrentin und Ex-Geliebten (Jasmin Tabatabai) die Schuhe küssen, um im nächsten Moment, angewidert vom dreckigen Geschäft, mit einem Herzkasperl aus den Latschen zu kippen. "Ich habe die Rolle nur wegen Helmut Dietl angenommen", verrät er. "Ich hätte alles gemacht - meinetwegen auch aus dem Telefonbuch vorlesen."

    Wieder einmal erweist sich Dietl als besessener Perfektionist: Die 6,5-Millionen-Produktion besticht durch messerscharfe Dialoge (zusammen mit Christoph Mueller), brillante Bilder (Gernot Roll) und eine virtuose Ausstattung. Einmal habe Dietl eine Wasserflasche auf dem Tisch fast eine Stunde lang ausgeleuchtet, erzählt Gottschalk. Und auch die Nebenrollen sind glänzend besetzt - herausragend vor allem Otto Schenk als durchtrieben-jovialer Medienmogul und Karl Markovics als schmieriger Klatschreporter.

    Einen besonders schillernden Part hat Dietl seiner Lebensgefährtin Veronica Ferres ("Eine ungehorsame Frau") zugedacht. Sie spielt eine vom Showgeschäft angeekelte Schauspielerin, die als stattliche Blondine ständig nur "Scheißrollen" bekommt - "blond, blöd und geil". Die Figur sei eine echte Traumrolle für sie gewesen, sagt Ferres, die sich selbst jahrelang immer in dieselbe Schublade gesteckt fühlte. "Das war eine echte Befreiung."

    Auch für Dietl hat sich nach eigenem Bekunden ein Kreis geschlossen. Nach der Oscar-nominierten Groteske "Schtonk" über die gefälschten Hitler-Tagebücher und der preisgekrönten Filmsatire "Rossini" ist "Late Show" seine dritte und vorerst letzte Arbeit aus dem Medienbereich. Seine Botschaft läßt er den Zuschauern durch Thomas Gottschalk unmißverständlich ausrichten: "Fernsehen macht krank, blind und blöd."

    Nada Weigelt, dpa

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