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  • Kritik: Hellsichtige Komödie von Eoin Moore

    Langsam steigt die Temperatur. Der Schweiß rinnt in Strömen. Die Gespräche verebben. Ein Flirren liegt in der Luft. Dann öffnet sich die Tür: «Aufguss» ist angesagt. Und jetzt heizt der bullige Sauna-Häuptling Jost Molinski (Charly Hübner) seinen Kunden richtig ein. Vielleicht vergessen die ja in dieser martialischen Hitzeschlacht für eine Weile ihre Probleme.

    Der 1968 in Dublin geborene Regisseur und Drehbuchautor Eoin Moore («Pigs Will Fly»), der seit 1988 in Berlin lebt, hat mit einem Ensemble von glänzend aufgelegten Schauspielern in nur zwanzig Drehtagen eine kurzweilige Komödie mit ernsten Untertönen auf die Beine gestellt. «Im Schwitzkasten» versprüht den rauen Charme und lakonischen Witz britischer Komödien. Larmoyanz dagegen können sich Moores vom Leben gebeutelte Protagonisten kaum noch leisten.

    Einmal in der Woche treffen sie sich in der Sauna, die eigentlich längst eine Bruchbude ist. Da schwitzt sich der Langzeitarbeitslose Toni (Andreas Schmidt, «Sommer vorm Balkon») still den Frust aus den Rippen, während seine Ex-Frau Karin (Steffi Kühnert) wie ein Wasserfall quasselt und alle mit ihren «Ich-AG»-Plänen nervt. Die reichlich naive Monika (Laura Tonke) will den Menschen in Ruanda helfen, dabei läuft ihr Privatleben völlig aus dem Ruder.

    Dani (Esther Zimmering) hat einen guten Job als Stewardess, muss aber feststellen, dass in der rundum globalisierten Arbeitswelt nichts von Dauer ist. Und dann sitzt und schwitzt da noch der etwas verklemmte Professor und neoliberale Redenschreiber Norbert (Edgar Elge). Der von weniger Staat und mehr Eigenverantwortung träumende Schöngeist hat sich in Nadinchen Molinski (Christiane Paul) verliebt, die resolute Schwester des Saunainhabers. Wenn Nadinchen verspannte Rücken knetet, bleibt kein Auge trocken.

    Eoin Moores hellsichtiger Ensemblefilm funktioniert wie ein brodelnder Kessel, der langsam vor sich hin köchelt, aber nie explodiert. Einen richtigen Job hat eigentlich keiner, alle stehen irgendwie auf der Kippe, privat und beruflich. Ein Mikrokosmos deutscher Befindlichkeiten in Zeiten von Bindungsunfähigkeit und Massenarbeitslosigkeit.

    Wortreich schmieden die Saunagänger Pläne, die immer nur Luftschlösser bleiben. Eine ungemein lebensuntüchtige, aber in ihren kleinen Schwächen sehr menschliche, komische und sympathische Truppe hat sich hier gefunden. Und dann passiert sogar noch ein tragikomischer Unfall, der die geduldig Schwitzenden aus ihrer dumpfen Lethargie reißt.

    dpa

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