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  • Kritik: Heimatfilm mit zeitgemäßer Botschaft

    Die Berge sind seine Heimat. «Wenns Du da heroben stehst, dann fühlst das Erhabene», begeistert sich Joseph Vilsmaier. Nach seinen in der Bergwelt spielenden Erfolgen «Herbstmilch» und «Schlafes Bruder» kehrt der 65-Jährige nun mit «Bergkristall» zu Tälern und Gipfeln zurück.

    Der Film nach einer über 150 Jahre alten Weihnachts-Novelle von Adalbert Stifter verbreitet nostalgische Stimmung, große Gefühle und eine zeitlos aktuelle Botschaft.

    «Ich wollte kein "Family-Entertainment" machen, sondern Familien- Unterhaltung im besten Sinne», sagt der vielfach ausgezeichnete Vilsmaier. Er setzt in «Bergkristall» ganz auf das schöne Ritual des Geschichtenerzählens vor einem gemütlichen Kaminfeuer, auf die Art von Erbauung und Entspannung, die nur ein Märchen mit einem Hauch Magie erzeugen kann. Und Stifter, der österreichische Heimatdichter (1805-1868), habe ihm mit seiner dramatischen Novelle einen «pfundsstarken» Stoff geliefert.

    Die Geschichte von «Bergkristall» ist eine Mischung aus den Grundmustern von Romeo und Julia und Hänsel und Gretel: Es herrscht «Eiszeit» zwischen dem armen Alpendorf Gschaid und dem reicheren Millsdorf. Zwar trennt die Bewohner nur ein Berg, doch ihr traditioneller Hass aufeinander sitzt tief. Dennoch wagt der Gschaider Schuster Sebastian (Daniel Morgenroth), die Millsdorferin Susanne (Dana Vavrova, Vilsmaiers Frau) zu heiraten und in sein Dorf zu holen. Doch die «Zugereiste» wird dort nie heimisch und sogar die Kinder des Paares müssen Spott und Hohn der Nachbarn ertragen. Als die Menschen von Gschaid auch noch Sebastians Schusterwerkstatt boykottieren, droht der Familie das Armenhaus.

    Da verlässt Susanne Mann und Kinder, kehrt zu ihren Eltern auf der anderen Seite des Berges zurück - um ihre Lieben zu retten. So oft es geht, wandern Sohn und Tochter in stundenlangen Märschen zur Mutter. Ausgerechnet am Weihnachtstag werden die Kinder auf dem Rückweg zum Vater von einem Schneesturm überrascht und landen in einer gefährlich glitzernden Gletscherhöhle. Es ist die alte Sage vom Bergkristall, die die Kraft hat, Liebende wieder zu vereinen, die die Fantasie der erfrierenden Kinder beflügelt und ihre Seelen wärmt. Und das Wunder geschieht: Auf der Suche nach den Geschwistern überwinden die Dörfler von beiden Seiten des Berges Intoleranz und Vorurteile.

    Vilsmaier, der als Regisseur selbst auch immer hinter der Kamera steht, setzt das Rührstück routiniert in Szene. Natürlich spielt die Landschaft - gedreht wurde nahe Gaschurn im Vorarlberg - eine majestätische Rolle. Doch einen besonderen Reiz erhält dieser schöne Heimat- und Weihnachtsfilm durch seine Fülle von Details über den Alltag am Berg vor mehr als 100 Jahren. Die Feinarbeit in der Schusterwerkstatt, die Enge der Hütten, die leuchtend bunten Stoffe vor dem Haus des Färbers mit den roten Händen, all das verhilft zu Glaubwürdigkeit und einer authentischen Atmosphäre - auch wenn die Darsteller Hochdeutsch sprechen. Ein Film zum Innehalten und Durchatmen in der Vorweihnachtszeit.

    dpa

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