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  • Kritik: Harrison Ford und Anne Heche in Hochform

    Hamburg - Rauhbeiniger Frachtpilot und überspannte New Yorker Journalistin sitzen auf unbewohnter Südseeinsel fest, inmitten tropischer Vegetation: Das ist der Stoff, aus dem das Sommerkino ist. In dem Film "Sechs Tage, sieben Nächte" mit Harrison Ford und Anne Heche in den Hauptrollen fährt Regisseur Ivan Reitman alles auf, was das klassische Hollywood zu bieten hat: Liebe, Abenteuer, einen Schuß Humor und berauschende Südseewelt.

    Es beginnt im verschneiten New York. Von dort flüchtet die Journalistin Robin (Heche) mit ihrem Freund Frank auf Verlobungsreise in die Südsee. Doch beim Sonnenbad unter Palmen holt sie sogleich der Job wieder ein: Sie muß zu Modeaufnahmen nach Tahiti fliegen. Ihr Pilot ist der Aussteiger und Frachtflieger Quinn (Ford), der seine bürgerliche Existenz längst hinter sich gelassen hat. Es kommt, wie es kommen muß: Die Propellermaschine gerät in ein Gewitter, Quinn muß auf einer unbewohnten Insel notlanden. Dabei bricht ein Rad, die Funkverbindung reißt ab. Die ungleichen "Schiffbrüchigen" sitzen zunächst reichlich genervt voneinander am Südseestrand.

    Regisseur Reitman ("Ghostbusters", "Staatsanwälte küßt man nicht", "Kindergarten Cop") wollte einen Film schaffen, "wie man ihn in den vierziger und fünfziger Jahren gedreht hat", mit Romantik und Spannung vor exotischer Kulisse. So erzählt die Robinsonade die Geschichte der beiden Gestrandeten, die der Überlebenskampf zusammenschweißt - ohne große Überraschungen, aber mit unterhaltsamen Dialogen und großartigen Aufnahmen von gewaltigen Steilhängen, weißen Stränden und türkisfarbenem Meer.

    Auch die Rollen stehen ganz in der Hollywood-Tradition, in der es eben normal ist, daß junge, hübsche Powerfrauen dem rauhen Charme eines viel älteren Einzelkämpfers verfallen. Robins sensibler Softie- Freund Frank gibt da eher eine lächerliche Figur ab (großartig: David Schwimmer). Zumindest bleibt bis kurz vor Schluß offen, ob Harrison Ford die Schöne endgültig für sich erobern kann oder als "einsamer Cowboy" mit seinem Flugzeug in den Sonnenuntergang entschwebt.

    Insgesamt bietet "Sechs Tage, sieben Nächte" unterhaltsames Kino mit guten Schauspielern. Der 56jährige Harrison Ford mimt souverän das Rauhbein mit weichem Kern. Ihm zur Seite gestellt ist mit Anne Heche ein noch relativ neues Gesicht: Bekannt wurde die 29jährige durch ihren Auftritt als Präsidentenberaterin in Barry Levinsons Satire "Wag the Dog" - und durch ihr lesbisches Coming Out kurz nach Unterzeichnen ihres Vertrages für den Reitmann-Film. Das Zittern der Produzenten, ob die amerikanischen Kinogänger wohl eine Frau, die Frauen liebt, als Partnerin des Superstars Ford sehen wollen, war jedoch unbegründet: Der Film spülte nach Berechnungen der "New York Times" gleich am ersten Wochenende am 12. Juni knapp 29 Millionen Mark in die Kassen und landete damit auf Platz zwei.

    Christiane Hellwege, dpa

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