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  • Kritik: Guter Draht zum Jenseits

    An seltsame Dinge sollte sich Jeff Goldblum inzwischen gewöhnt haben: In "Die Fliege" wurde er zum Rieseninsekt, in "Die Invasion der Körperfresser" machte er mit Außerirdischen Bekanntschaft, in "Transylvania 6-5000" ließ er sich von Vampiren hetzen, in "Jurassic Park" erlebte er die Rückkehr der Dinosaurier. Trotzdem ist der 44jährige noch immer Meister des erstaunten Blicks und rollt die Augen in unfaßbarer Überraschung viel gekonnter als jeder Kollege. Jetzt begegnet ihm das Übernatürliche in "Powder" und in "Das Versteckspiel" gleich im Doppelpack - wenn auch in äußerst unterschiedlicher Form.

    Die Geschichte von "Powder" kreist um einen jungen Albino: Jahrelang wurde er im Keller seiner Großeltern vor neugierigen Blicken versteckt. Nach ihrem Tod muß er sich endlich der Welt stellen und bringt damit Unruhe in eine Kleinstadt. Der Junge ist nicht nur frei von Hautpigmenten - er besitzt auch magnetische Kräfte, kann mit bloßer Willenskraft Elektrizität beeinflussen, liest Gedanken und besitzt einen gigantisch hohen IQ. Seine Umgebung reagiert auf ihn wie auf alles Fremde: mit Angst und Haß.

    Allein der Physiklehrer (Goldblum) und die Schulleiterin (Mary Steenburgen) stellen sich auf seine Seite. Versöhnlich, familientauglich und mit erhobenem humanistischem Zeigefinger - so kommt diese Fantasy-Parabel aus dem Hause Disney daher. Die übersinnlichen Ereignisse in "Das Versteckspiel" sind dagegen eher handfester Natur. Im Horrorspektakel mimt Goldblum einen braven Familienvater, der nach einem Autounfall zwei Stunden lang klinisch tot ist, danach aber reanimiert werden kann. Während der 120 Minuten in der Ewigkeit hat sich sein Geist mit der Seele eines mörderischen Satansjüngers verbunden. Fortan plagen den Wiedergeborenen brutale Visionen.

    In einem der morbiden Tagträume erfährt er, daß der Gegenspieler es auf seine halbwüchsige Tochter (Alicia Silverstone) abgesehen hat. Also rüstet sich Goldblum zum parapsychologischen Duell...

    Was beide Filme eint, ist einzig der inflationäre Einsatz von Special-effects. In beiden Fällen kleistern sie das eigentliche Anliegen der Geschichten zu: Bei "Powder" geht in all den bunten Bildern das Plädoyer für Toleranz verloren, in "Das Versteckspiel" wird jegliche Spannung in nicht endenwollenden Computereffekten erstickt. Der einzige, der bei diesen Filmen noch vor Aufregung erzittert, ist wohl Jeff Goldblum selbst.

    Copyright: TV TODAY, 1996

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