40.000
  • Startseite
  • » Kritik: Gus Van Sants Remake von Hitchcocks Schocker
  • Kritik: Gus Van Sants Remake von Hitchcocks Schocker

    Wenn am 7. Januar der Film "Psycho" in die deutschen Kinos kommt, wird es wieder einmal bewiesen: Hollywood schafft nicht nur Kinolegenden, es plündert sie auch. Im Branchenjargon heißt das "Remake" und stellt schlichtweg die Neuverfilmung eines ehedem erfolgreichen Kinohits dar.

    Es ist im Grunde stets die gleiche Spekulation, die Produzenten und Regisseure zu solchem nur selten überzeugenden Tun verleitet: Was einmal die Kassen hat klingeln lassen, das soll auch ein zweites Mal die Leute zum Eintrittsgeld verleiten.

    Nun also ist es Alfred Hitchcocks Gruselklassiker, den Gus Van Sant knapp 40 Jahre nach der Uraufführung des Originals noch einmal auf die Leinwand bringt. Wo der kugelbäuchige Meister sich einst 109 Minuten Zeit nahm, um den Zuschauer in Angst und Schrecken zu versetzen, bescheidet sich sein Nachfolger mit fünf Minuten weniger. Doch das dürfte selbst Kennern kaum auffallen - um so mehr aber, daß Hitchcock seine nervenstrapazierende Wirkung nicht zuletzt mit seinen schwarz-weißen Bildkompositionen aus Licht und Schatten erzielte, Van Sant hingegen in Farbe drehte.

    Überhaupt nicht geändert hat sich die Geschichte um jene unglückselige Betrügerin Marion Crane (Anne Heche), die unter der Dusche eines heruntergekommenen Hotels so brutal wie blutig von einem Messer ins Jenseits befördert wird. Und ebenfalls nicht geändert hat sich etwas an der schauderhaften Mutterbeziehung des Hotelbesitzers Norman Bates (Vince Vaughn), der nach dem Mord noch mit weiteren Besuchern fertig werden muß. Die Handlung ist so bekannt, daß Van Sant sich originellerweise entschlossen hat, exakt nach dem alten Drehbuch von Joseph Stefano auch den neuen Film zu realisieren.

    Das ist gut für Stefano, der unverhofft noch einmal Honorar für die frühe Arbeit einstreichen kann. Aber es ist nicht gut für das Remake. Denn gerade das Drehbuch war schon 1960 die von aufmerksamen Beobachtern festgemachte Schwachstelle eines ansonsten epochalen Werks. Seinerzeit hatte der renommierte Filmpublizist Enno Patalas notiert: "Die Schlußpointe liegt beträchtlich unter dem Niveau, das die optische Gestaltung des Films konstituiert." Regisseur Van Sant hat am Schluß nichts geändert, aber er ist halt nur ein Bewunderer Hitchcocks, nicht jedoch dessen Wiedergeburt.

    Was der Regisseur des letztjährigen Kinohits "Good Will Hunting" präsentiert, ist eine äußerst respektvolle Verneigung vor einem großen Vorgänger. Auch die Schauspieler Vaughn und Heche geben sich alle Mühe, in die Fußstapfen von Anthony Perkins und Janet Leigh zu treten. Ein meisterliches Unikat wie "Psycho" kann als Neuaufguß indes nur verlieren. Denn was seinerzeit vor allem wegen der berühmten Duschszene als extrem gewalttätig und sexuell gewagt galt, verstört kaum einen mehr. Deshalb ist die Neufassung in den USA kommerziell gescheitert, das wird sich in hierzulande wohl wiederholen.

    Patalas schrieb 1960: "Ganz vom Optischen her, durch die Wahl der Perspektive, den Ton der Fotografie, die Kamerabewegung, die Verteilung von Licht und Schatten, das Einfügen dramaturgisch unwichtiger, aber symbolträchtiger Objekte, Verzerrungen des Bildes ... wird eine Atmosphäre des Grauens hergestellt." Wo das Original beklemmende Angst verbreitete, erzeugt das Remake nur leichtes Schaudern beim viel abgebrühter gewordenen Publikum. Das kann eigentlich niemanden überraschen. Überraschend ist nur, das Gus Van Sant trotzdem das Geld dafür bekam, einen alten Jugendtraum sehr voraussehbar in den Sand zu setzen.

    Wolfgang Hübner, AP

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Onliner vom Dienst

    Marius Reichert

    Mail | 0261/892 267

    Abo: 0261/98362000

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    • Lokalticker
    • Regionalsport
    • Newsticker
    Das Wetter in der Region
    Samstag

    4°C - 8°C
    Sonntag

    6°C - 9°C
    Montag

    4°C - 8°C
    Dienstag

    5°C - 7°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Rock am Ring geht zurück

    Das Rockfestival findet 2017 nicht mehr in Mendig, sondern wieder am Nürburgring statt. Was sagen Sie zu diesen Neuigkeiten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!