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  • Kritik: Großes Staraufgebot:

    Der Amerikaner Sam verkauft als schußsicherer, nervenstarker Söldner seine Dienste weltweit an zahlungswillige Auftraggeber. Diesmal ist sein Einsatzgebiet Frankreich. Zusammen mit fünf anderen Spezialisten soll er einen geheimnisvollen Aluminiumkoffer erobern, hinter dem auch noch etliche andere Zeitgenossen mit bedenkenlosen Methoden her sind. Von Paris geht es an die sonnige Cote d'Azur, nach rasender Verfolgungsfahrt durch die engen Straßen Nizzas schließlich wieder zurück in die Seinemetropole, wo das Drama sich vollendet und eine Menge Leichen hinterläßt.

    Das hört sich etwas altmodisch an und ist es auch. Was wohl vor allem am Regisseur des ab dem 3. Dezember in den deutschen Kinos anlaufenden Thrillers "Ronin" liegt. Denn der gebürtige New Yorker John Frankenheimer ist ein Routinier, dessen beste Zeit nun schon gut drei Jahrzehnte zurückliegt. Unbestritten ist Frankenheimer ein Könner, dem es nicht nur um eine atemlose Actionrevue, sondern auch um die Herausarbeitung von einprägsamen Charakteren geht. Umso verwunderlicher ist es, daß ihm das trotz eines Großaufgebotes bekannter Schauspieler wie Hollywoods Robert De Niro, Frankreichs Jean Reno und der aparten Britin Natascha McElhone kaum gelingt.

    "Ronin" gehört indessen zu den Filmen, die schon deshalb nicht völlig mißlungen sind, weil zuviel handwerkliche Qualität in die Produktion investiert wurde. Dafür bürgt außer Frankenheimer zum Beispiel Kameramann Robert Fraisse, der aus den Autojagden ein aufregendes visuelles Spektakel gestaltet. Aber solche Vorzüge können nicht darüber hinwegtäuschen, daß der Film seine vollen 118 Miunuten lang wie eine Auftragsarbeit wirkt, die alle im Team mit Anstand, aber ohne jede Inspiration oder gar Leidenschaft hinter sich zu bringen bestrebt waren.

    Das trifft insbesondere auf De Niro zu, der bei den Dreharbeiten übrigens wegen einer Callgirl-Affäre in die Mühlen der französischen Justiz geriet und sich viel Ärger einhandelte. Er spielt nicht nur einen Legionär, er wirkt in dem Film, dessen Titel sich auf den japanischen Ausdruck für einen verstoßenen Samurai bezieht, wie ein Mann, der eines schönen Tages einen Anruf ungefähr solchen Inhalts bekam: "Hi Robert, hast Du Lust auf Frankreich, Paris, gutes Essen, guten Wein und die Bekanntschaft der Lieblingssportlerin von Erich Honecker?" De Niro hatte, muß bei den Dreharbeiten diese Lust aber ziemlich schnell und ziemlich gründlich verloren haben.

    Jedenfalls bleibt der Star vieler Welterfolge in "Ronin" weit unterhalb seiner beträchtlichen Möglichkeiten. Die Geschichte, in der er sich zu behaupten hat, ist auch allzu konstruiert und offenbar nur als Beigabe für die Bebilderung attraktiver Schauplätze vorgesehen. Die auf der Besetzungsliste aufgeführte Katarina Witt ist als russischer Eisstar Natascha Kirilova mit von der Partie. Mimisch wird von ihr absolut nichts gefordert. Sie muß sich auch nicht neuerlich ausziehen, sondern nur das machen, was sie konkurrenzlos gut kann: Ein paar Kreise auf dem Eis drehen, bis ein Schuß fällt. Dann ist auch das Ende des Films nahe. Gut so und Schwamm drüber.

    Wolfgang Hübner, AP

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