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  • Kritik: "Große Erwartungen":

    Der mexikanische Regisseur Alfonso Cuaron muß sich mit seiner zweiten Kinoproduktion, der Verfilmung des Romans "Große Erwartungen" von Charles Dickens, an großen Vorbildern messen lassen. Ist eine solche Literaturverfilmung auch immer schwierig, so wurde zudem dieser Stoff schon einmal auf die Leinwand gebracht, und zwar 1946 von David Lean mit Alec Guinness und Jean Simmons. An diese Vorlage reicht das Remake sicherlich nicht heran, ist doch die Verlagerung der Handlung ins Amerika der 70er und 80er Jahre gerade in der Darstellung der beiden Hauptfiguren Finn (Ethan Hawke) und Estella (Gwynneth Paltrow) in vielen Facetten zu glatt, zu nett, ohne Tiefen geraten.

    Daß der Film dennoch sehenswert ist, liegt vor allem an den schauspielerischen Leistungen der beiden Altstars Anne Bancroft und Robert de Niro in Nebenrollen, dazu an den wunderschön eingefangenen Stimmungsbildern aus Florida und New York. Seine Verfilmung sei eine bewußt freie Adaption des Klassikers, bekannte Cuaron. Gereizt hat ihn zusammen mit dem Drehbuchautor Mitch Glazer nach eigenem Bekunden, daß der Bildungsroman von Dickens einige zeitlos faszinierende Themen behandelt wie die "Rolle des Zufalls, das Verlangen nach Dingen, die man nicht haben kann, oder das Streben nach Anerkennung".

    Der Film erzählt die Geschichte des armen Fischerjungen Finn, der - ohne es zu ahnen - sozusagen als Spielball zweier gescheiterter Existenzen von einem Dorf im südlichen Florida in die glitzernde Kunstszene New Yorks aufbricht, um da als begabter Maler zu reüssieren. Er ist gerade zehn Jahre alt, als er der Liebe seines Lebens begegnet - in der traumhaft schönen, doch verfallenen Villa der steinreichen Miss Dinsmoor (Anne Bancroft). Auf Anhieb verfällt er der unnahbaren Schönheit der gleichaltrigen Estella, die ihm jedoch von Anfang an klar macht, daß sie Welten von dem Habenichts trennen.

    Als Spielgefährte für ihre Nichte in die Villa bestellt, ist Finn nicht mehr als das wohlkalkulierte Werkzeug der persönlichen Rache der Dinsmoor, die vor mehr als 30 Jahren verrückt geworden ist, als der Bräutigam sie am Traualtar stehen gelassen hatte. Finn soll durch die kapriziöse Estella, die sie zu oberflächlichen Gefühlen erzogen hat, die gleichen Liebesleiden erdulden wie sie einst durch ihren Bräutigam.

    Wunderbar überzeugend spielt Anne Bancroft die verschrobene Millionärin, die in ihrer unter Spinnweben versunkenen Märchenvilla wie eine Spinne im Netz nur noch auf die ebenso fein gesponnene Vergeltung ihrer verletzten Gefühle sinnt. Mit echtem Mut zur Entstellung durch Alter ließ sich die 66jährige "Oscar"-Preisträgerin dabei gut 20 Jahre älter schminken. Völlig aufgesetzt dagegen das glückliche Ende zwischen Finn und Estella, die nach 20 Jahren doch noch zu dem einst Verschmähten findet. Ein Schluß, den schon Dickens ungern nur den Roman-Konventionen des 19. Jahrhunderts zuliebe schrieb, doch passend zum heutigen Hollywood.

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