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  • Kritik: Gregory Hoblits Mystery-Thriller "Dämon"

    Am Anfang wird ein Massenmörder hingerichtet. Nichts Besonderes für den Musterpolizisten John Hobbes, der das grausame Schauspiel schon kennt. Denn der sich wie wahnsinnig gebärdende Todeskandidat ist bereits der achte Kriminelle, den Hobbes in die Gaskammer gebracht hat. Merkwürdig ist diesmal nur, daß in der Folgezeit weitere Morde mit der "Handschrift" des Hingerichteten verübt werden. Und erst recht merkwürdig sind an den Tatorten schriftliche Hinweise auf dessen letzte, scheinbar unzusammenhängenden Worte.

    Hobbes, die Hauptfigur in dem am 26. März in den deutschen Kinos anlaufenden US-Thriller "Dämon", macht sich an die Aufklärung des rätselhaften Geschehens. Dabei kommt er dem Tod eines früheren Kollegen auf die Spur, lernt dessen angstgepeinigte Tochter kennen, gerät selbst unter schweren Verdacht und muß schließlich einen Entscheidungskampf mit dem Bösen ausfechten. Außerdem spielt der alte Rolling-Stones-Hit "Time Is On My Side" eine gewisse Rolle im zum Schluß immer ungewisseren Geschehen. Wenn sich der Kinovorhang schließt, wird dem Besucher bewußt, gerade eine besonders verwirrende Kinolektion erlebt zu haben.

    Gregory Hoblit, der Regisseur von "Dämon", gehört im amerikanischen Fernsehen zu den herausragenden Vertretern seiner Zunft in Krimi- und Justizserien. Im Kino hatte er 1996 mit dem Thriller "Zwielicht" ein glänzendes Debüt, der extrem spannende Film mit Richard Gere fand bei Kritik und Publikum großen Zuspruch. Deshalb wurde Hoblits zweite Kinoarbeit mit großer Spannung erwartet. Der Regisseur ging mit der Wahl des Originaldrehbuchs von Nicholas Kazan durchaus nicht auf Nummer Sicher, sondern entschied sich für eine originelle und abgründige, ja tiefsinnige Geschichte.

    Mit Denzel Washington als Musterpolizist Hobbes sowie erstklassigen Charakterdarstellern wie dem schwergewichtigen John Goodman und dem souveränen Donald Sutherland, dazu der aparten Embeth Davidtz hatte Hoblit ein Schauspielerteam zusammen, das den Eintritt allemal lohnt. Die verwirrende, auf tollkühnen Spekulationen basierende Handlung allerdings wird die Gemüter spalten. Der Mehrheit, darauf deutet das flaue Einspielergebnis des Films in den USA hin, wird sie zu unverständlich, zu mysteriös sein. Dem Rest hingegen dürfte das Flimlabyrinth "Dämon" durchaus Vergnügen bereiten.

    Drehbuchautor Kazan hat sich zum Konzept seiner Arbeit für den Film geäußert: "Ich glaube daran, daß die Menschen grundsätzlich gut sind. Das Böse entwickelt seine Macht erst bei der zwischenmenschlichen Kommunikation. Mir schwebte also ein Film vor, in dem das Böse von einem anderen weitergereicht wird." Für diese Idee hätte er in Deutschland nicht einen Pfennig Förderungsgeld lockermachen können. Es gehört zu den unbeachteten Qualitäten Hollywoods, manchmal originelle Vorlagen sogar mit hochkarätigen Teams zu realisieren. Im günstigsten Fall wird daraus sogar ein Hit. Das ist "Dämon" nicht geworden, wohl aber sehenswert.

    Wolfgang Hübner, AP

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