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  • Kritik: Grandiose Verfilmung des Henry-James-Romans

    Henry James, der 1916 verstorbene amerikanische Romanautor, hat schon lange Konjunktur auf der Leinwand. Die berühmten Franzosen Claude Chabrol, Jacques Rivette und Francois Truffaut haben aus seinen literarischen Vorlagen sehenswerte Filme gemacht, James Ivory, ein Landsmann von James, hat ihm mit den Streifen "Die Europäer" und "Die Damen aus Boston" eindrucksvoll Reverenz erwiesen.

    Nur die hochgelobte Neuseeländerin Jane Campion ist mit ihrer bläßlichen Kinoadaption des Romans "Das Porträt einer Lady" künstlerisch wie kommerziell an einem James-Stoff gescheitert.

    Doch nun legen zwei hochbegabte jüngere Briten, Regisseur Iain Softley und Drehbuchautor Hossein Amini, mit der Verfilmung des James-Romans "Die Flügel der Taube", ab 23. Juli in den deutschen Kinos, einen Kostümfilm ohne Staub vor, spannend wie ein Thriller, aufregend wie eine enthüllende Gegenwartsstudie. Dazu besitzt das stilsichere Werk mit Helena Bonham Carter als intelligente Hauptfigur Kate Troy die perfekt besetzte, zurecht mit einer Oscar-Nominierung bedachte Schauspielerin in der tragenden Rolle.

    Kate, das ist eine junge Frau zwischen Herz und Verstand im London des Jahres 1910. Sie lebt bei ihrer reichen Tante Maude, eine harte, von Charlotte Rampling verkörperte Frau. Die ist alles andere als erfreut, daß ihre Nichte sich ausgerechnet in einen armen Schlucker wie den Journalisten Merton (Linus Roache) verliebt hat. Maude stellt Kate vor die Wahl: Entweder die Entscheidung für Merton und gesellschaftlichen Abstieg oder eine standesgemäße Verbindung mit dem dekadenten Lord Mark. Doch dann verändert das Erscheinen der amerikanischen Millionenerbin Millie auf dramatische Weise alles.

    Millie wird Kates intime Freundin, verliebt sich aber in Merton. Kate weiß von Millies tödlicher Krankheit und faßt einen so tollkühnen wie moralisch anstößigen Plan. Bald trifft sich das Trio in der romantischen Lagunenstadt Venedig. Dort soll Millie in faszinierender Kulisse an der Seite des geliebten Mannes ihre letzten Tage glücklich verbringen und ihn mit ihrem Testament zum reichen, vom Wohlwollen launischer Tanten unabhängigen Mann machen. Doch Liebe und Leidenschaft sind keine Schachfiguren, sondern folgen einer ganz unberechenbaren Logik. In einer großartigen, erschütternd radikalen Schlußszene des Films wird das zur Gewißheit.

    In dieser Szene hat nicht nur die zierliche Bonham ihren größten Auftritt. Sie beweist auch, warum der junge Drehbuchautor Amini seit seinem vielgelobten Einstand mit dem Liebesdrama "Herzen im Aufruhr" als große Hoffnung des britischen Films gilt. Zwar läuft "Die Flügel der Taube" unter amerikanischer Produktions- und Verleihflagge. Aber es ist durch und durch ein Kinowerk von jener großen europäischen Insel, auf der in diesen Jahren die besten Filme erarbeitet werden. Wieder ist einer davon zu sehen - ein Triumph des großen Gefühlskinos.

    Wolfgang Hübner, AP

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