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  • Kritik: Goldene Palme von Cannes fü Abbas Kiarostami

    Herr Badii, ein Intellektueller mittleren Alters, fährt mit seinem Range Rover über die staubigen, ungeteerten Straßen im kargen Norden Teherans. Die verdorrte Landschaft spiegelt seinen Seelenzustand wieder: Er will Selbstmord begehen. Sein eigenes Grab hat er sich bereits geschaufelt. Jetzt sucht er einen Mann, der ihn gegen Bezahlung anschließend mit ein paar Schaufeln Erde bedeckt.

    Nach den beiden Spielfilmen "Und das Leben geht weiter" und "Quer durch den Olivenhain" beschließt der iranische Regisseur Abbas Kiarostami mit seinem ruhigen, intensiven Werk "Der Geschmack der Kirsche" nun seine Trilogie über die Konfrontation von Leben und Tod.

    Mit dieser Geschichte eines Freitods hat Kiarostami zugleich ein glühendes Pladoyer für das Leben und die Freiheit des Individuums geschaffen. Im Iran, wo Selbstmord nach den strengen Regeln des Islam als Todsünde gilt, ist sein Film auf strikte Ablehnung gestoßen. Erst aufgrund der Proteste von anderen iranischen Regisseuren und der französischen Delegation durfte der Film 1997 überhaupt bei den Filmfestspielen in Cannes gezeigt werden, wo er mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde. Der Regisseur bedankte sich dafür bei Catherine Deneuve mit einem Küßchen auf die Wange - und löste wiederum bei den iranischen Fundamentalisten in seiner Heimat einen Proteststurm aus. Bei seiner Rückkehr wurde er am Flughafen von Demonstranten empfangen.

    Auf strikte Ablehnung stößt auch sein lebensmüder Filmheld Herr Badii, als er verschiedenen Männern den ungewöhnlichen Job anbietet, am nächsten Morgen nachzusehen, ob er wirklich tot ist und das Grab zuzuschaufeln. Ein junger Soldat rennt panisch davon, ein Student versucht, ihn von seinem Vorhaben abzubringen. Herr Badii, der in seiner scheinbar endlosen, tristen Suche immer wieder die gleichen Straßen dieser Einöde abfährt, dreht sich förmlich im Kreis. Er fährt von einem Punkt zum anderen, ohne wirklich voranzukommen. Doch dann begegnet er einem alten Mann, der seine Entscheidung akzeptiert.

    Während der Autofahrt erzählt ihm der Alte seine eigene Geschichte. Er selbst stand einst kurz vor dem Freitod. An diesem Morgen baten ihn ein paar Schulkinder, einen Kirschbaum für sie zu schütteln. Als er selbst eine dieser Kirschen aß und den intensiven Geschmack genoß, sah er die Welt plötzlich wieder mit anderen Augen. Als Herr Badii am Abend in seinem Grab liegt, zieht ein Gewittersturm auf. Seine Augen sind auf den Vollmond gerichtet, der allmählich hinter den Wolken verschwindet.

    Kiarostami läßt in seiner existenzialistischen Auseinandersetzung mit Leben und Tod ganz bewußt offen, ob sein "Held" am Ende tot oder lebendig ist. Ihm geht es nur darum, hier die Vorstellung vom Tod aufzuzeichnen, wenn die Lichter langsam erlöschen und die Leinwand schließlich schwarz wird. Doch das Leben geht weiter - im anschließenden Epilog ist das Grün des Frühlings zurückgekehrt.

    Birgit Heidsiek, dpa

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