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  • Kritik: Globalisierte, kühl kalkulierende Welt des Weine

    In vino veritas. schon die alten Römer schätzten den Wein als Getränk voller Wahrheit. Ein guter Wein kann nicht lügen, meinen auch heute noch viele Genießer. Die Wahrheit über Reben, Boden, Wetter, Weinmacher und Tradition ist bei guten Tropfen in jedem Schluck zu schmecken.

    Doch der Weinbau in Zeiten der Globalisierung hat sich verändert. Der Dokumentarfilm «Mondovino» des Franzosen Jonathan Nossiter zeigt auch diese andere, neue Seite des Weines: Kalkül und Profit, Internationalisierung von Produktion, Marketing und Vertrieb.

    Nossiter hat die Welt des Weines bereist und mit herrlich dickköpfigen Kleinwinzern im Burgund ebenso gesprochen wie mit der Weinaristokratie Italiens und den Weinindustriellen in Kalifornien. Er stellt Massenproduktion und globale Strategien gegen Traditionsbewusstsein und Rebenromantik.

    Wenn auch die Bilder durch den nicht sehr professionell wirkenden Umgang mit einer kleinen digitalen Kamera mitunter ziemlich verwackelt sind, das Gesamtbild des Films ist klar: Die Welt des Weines steckt mitten in einem radikalen Umbruch. Die Globalisierung macht auch vor diesem Produkt nicht halt, das Kenner so gern mit unverfälschtem regionalen Charakter verbinden.

    Nossiter ist selbst ausgebildeter Sommelier und somit ein Kenner der Szene. Seine Interviews spüren den Motiven der traditionsverhafteten Weinmacher und ihrer modernisierenden Rivalen nach. Das Ehepaar Columbu, das auf Sardinien jährlich nur ein paar Fässchen fürs Dorf keltert, kommt ebenso zu Wort wie der mächtige Robert Mondavi, der im kalifornischen Napa Valley eine gewaltige Weindynastie begründet hat. Die respektablen Antinoris in Italien öffneten dem Filmemacher ebenso ihre Privaträume wie der Weinkritiker Robert Parker, dessen Kritiken und Punkte-Vergaben weltweit über Wohl und Wehe der ambitioniertesten Betriebe entscheiden.

    All das summiert sich in «Mondovino» zu einem schillernden Mosaik. Steichen für Steinchen wird der Betrachter klüger, erfährt mehr über Abhängigkeiten und Hintergründe, Intrigen und Geschäfte. Doch trotz der Enthüllungen und teilweise entlarvenden Eitelkeiten der Befragten bleibt dem Genießer ein Trost: Alle Protagonisten in diesem Film sind der Faszination des Weines auf ihre Art erlegen, alle lieben sie das kleine Geheimnis, das ein guter Tropfen immer noch in sich birgt.

    dpa

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