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  • Kritik: Glaube, Lust und Liebe

    Ein Stoff, der binnen mehr als 120 Jahren gleich zwei Mal gut für einen Skandal ist, wird sich so schnell nicht noch einmal finden lassen. 1875 schrieb Portugals großer Erzähler José Maria Eca de Queiroz seinen Roman "Das Verbrechen des Padre Amaro" und schuf damit eine Mixtur aus Religion und Erotik, die damals für Aufruhr bei Geistlichen und Bürgertum sorgte.

    Im Jahr 2002 erhitzt die Geschichte um die leidenschaftliche Liebe eines jungen Pfarrers - diesmal im Mexiko unserer Zeit angesiedelt - abermals die Gemüter. "Sensation" brüllten die einen, "Skandal" die anderen, als "Die Versuchung des Padre Amaro", der neue Film von Regisseur Carlos Carrera, in die mexikanischen Kinos kam.

    Die schöne Tochter der Wirtin hat's den Geistlichen angetan

    Der blutjunge Padre Amaro kommt frisch aus dem Priesterseminar in ein abgelegenes Bergdorf. Dort soll er dem alten Padre Benito helfen. Schon bald erfährt der neue Pfarrer, wie die Kirche im Alltag beschaffen ist: Padre Benito (Sancho Gracia) hat ein Verhältnis mit der Dorfwirtin (Angélica Aragón) und dient den örtlichen Drogenbaronen als Geldwäscher. Ein anderer Priester unterstützt die Guerilla und lebt mit den Rebellen in den Bergen.

    Padre Amaro erliegt dem Charme der Tochter der Wirtin, Amelia, die ihn in einer seltsamen Mischung aus göttlicher und fleischlicher Liebe anbetet. Amelia wird schwanger, und das Herz ihres Geliebten erhärtet zu Stein. Er will das Kind nicht, seine Priesterkarriere geht ihm über alles.

    Oscarwürdiges Werk mit prächtigen Bildern

    Carreras Arbeit besticht durch handwerklich sauber fotografierte Szenen, die zudem den Charme und Geist der mexikanischen Berglandschaft in ihrem satten Grün transportieren. Seine Hauptdarsteller, Gael Garciá Bernal als Amaro und die bezaubernde Ana Claudia Talancón als Amelia, überzeugen durch ihr einfühlsames Spiel. Bernal ist dem deutschen Publikum bereits durch den vielgelobten mexikanischem Spielfilm "Amores Perros" bekannt.

    "Die Versuchung des Padre Amaro" heimste eine Oscar-Nominierung für den besten fremdsprachigen Film ein und war für den Golden Globe nominiert. Auf dem Filmfestival von Havanna erhielt Drehbuchautor Vicente Lenero eine Auszeichnung für das beste Skript.

    Leidenschaftliches Statement gegen Bigotterie und das Zölibat

    Der 1962 geborene Carrera zählt zu den großen Talenten des mexikanischen Kinos und hat in seiner Heimat zahlreiche Preise und Auszeichnungen gewonnen. Mit seinem Neuling ist ihm ein Werk über Liebe, Lust und Glaube gelungen, das berührt. Das Melodram um den jungen Amaro ist ein leidenschaftliches Statement gegen Bigotterie, Blasphemie und den Zölibat.

    Robert Zsolnay, ddp

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