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  • Kritik: Gewalt und Moral:

    München (dpa) - Der blutige Bürgerkrieg in Nordirland hat Tausende von Menschen das Leben gekostet. Bis heute ist kein Ende absehbar. US-Regisseur Alan J. Pakula, Altmeister des politisch engagierten Kinos, hat das brisante Thema nicht gescheut. In seinem Thriller "Vertrauter Feind", der am 27. März anläuft, schildert er das Schicksal eines jungen IRA-Kämpfers als glänzend gespielte Parabel von Liebe und Haß, Gerechtigkeit und Gewalt.

    Frankie (Brad Pitt) hat einst mit ansehen müssen, wie sein Vater am Familientisch von einem vermummten Killer niedergeschossen wird. Zwanzig Jahre später kämpft der junge Ire selbst einen gnadenlosen Kampf gegen die britische Besatzungsarmee. Als gesuchter Terrorist muß er untertauchen und findet in New York Unterschlupf bei dem biederen, aufrechten Polizeibeamten Tom (Harrison Ford). Zwischen den beiden entwickelt sich eine tiefe Männerfreundschaft, die unausweichlich auf ein tragisches Ende zurast, als Toms Familie in den blutigen Strudel von Frankies Waffengeschäften gerät.

    Wie in seinem "Oscar"-nominierten Watergate-Drama "Die Unbestechlichen" und in dem Justizthriller "Aus Mangel an Beweisen" geht es Pakula in dem Film um die großen Kontraste. "Die Idee, daß zwei Menschen einander sehr mögen, aber die Freundschaft an ihren unterschiedlichen Wertesystemen scheitert, hat mich fasziniert", sagt der 68jährige Filmemacher in einem dpa-Gespräch. "Der eine glaubt, daß Gerechtigkeit für sein Land alle Mittel heiligt. Der andere will den Einsatz von Gewalt mit allen Mitteln verhindern."

    Der Verlauf der Geschichte, die Produzent Lawrence Gordon schon vor zehn Jahren bei Drehbuchautor Kevin Jarre in Auftrag gegeben hatte, ist reichlich absehbar. Dennoch bekommt der Film durch das intensive Zusammenspiel seines ungleichen Spitzenduos eine besondere Spannung. Der immer wieder umwerfende Harrison Ford, derzeit auch in der rekonstruierten Fassung der legendären "Star War"-Trilogie zu sehen, ist die Idealbesetzung für den integren Cop, der seinen Prinzipien unbeirrbar treu bleiben will.

    Und Publikumsliebling Brad Pitt ("Legenden der Leidenschaft", "Sieben") macht in dieser Vater-Sohn-Beziehung die innere Zerrissenheit seines Antihelden nachvollziehbar. So schön wirkt er, so sensibel und verletzlich - am liebsten möchte man vergessen, daß der Mann mehr als ein Dutzend Menschenleben auf dem Konto hat. Trotzdem weist Pakula den Vorwurf zurück, er glorifiziere den Terrorismus: "Ich sage nicht, daß Gewalt gut ist. Aber es ist zu einfach, die Menschen abzustempeln. Ich wollte verstehen, warum er so geworden ist."

    Am Anfang des Films gibt ein grandioser Blick auf die unberührte Natur Irlands eine trügerische Ahnung von Frieden. Am Schluß kann nach einer Hetzjagd durch die Straßen New Yorks weitere Gewalt doch nur durch Gewalt gestoppt werden. Pakula spielt nicht den Richter. "Ich bin kein Prediger und ich kann die Welt nicht verändern", sagt der Filmemacher. "Aber wenn die Menschen nach dem Kino spüren, daß man die Dinge von zwei Seiten sehen kann, habe ich viel erreicht."

    Von Nada Weigelt

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