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  • Kritik: Gewagte Romanze

    Regisseurin Anne Wild hat in ihrem Spielfilmdebüt einiges gewagt: Die Romanze "Mein erstes Wunder" erzählt von der unschuldig-scheuen Beziehung zwischen einem elfjährigen Mädchen und einem dreißig Jahre älteren Mann, die bei der gemeinsamen Flucht in eine aussichtslose Liebesbeziehung umschlägt.

    Dank der hervorragenden Leistungen der Hauptdarsteller Henriette Confurius und Leonard Lansink und eines ausgeprägt poetischen Inszenierungsstils schafft es der Film jedoch, das heikle Thema zu bewältigen.

    Sensibel inszeniertes Außenseiterporträt

    Im Urlaub an der Ostseeküste lernt die elfjährige Dole den Familienvater Hermann kennen. Zwischen den beiden entwickelt sich eine tiefe Freundschaft, die von ihrer Mutter und seiner Familie nicht akzeptiert wird. Während Hermann wegen seiner naiven Art von seiner Familie verlacht wird, leidet Dole am Erwachsenwerden. Sie wehrt sich dagegen, dass sie mit ihrer wankelmütigen Mutter zu deren neuem Freund ziehen soll. Kurz nach dem Urlaubsende steht Dole vor Hermanns Tür und fordert ihre Liebe ein. Die beiden fliehen gemeinsam, verfolgt von Doles Mutter und Hermanns Frau, und versuchen, ihre seltsame Liebe zu leben. Die Reise endet an dem Strand, an dem sich Dole und Hermann kennen gelernt haben.

    Das sensibel inszenierte und mitreißend gespielte Außenseiterporträt gewann im Januar in Saarbrücken den begehrten Max-Ophüls-Preis. Wild öffne "mithilfe ihrer großartigen Protagonisten und einer herausragenden Kamera emotionale Räume und erreicht eine Intensität jenseits der Klischees", begründete die Jury ihre Entscheidung. Die 1967 in Offenburg geborene Filmemacherin und Autorin verarbeitete für ihren ersten langen Spielfilm eine wahre Begebenheit aus Frankreich, auf die sie in einer Zeitungsmeldung gestoßen war.

    Viele Fragen läßt der Film offen

    Wild hat diese Basis-Konstellation zu einem faszinierenden Filmdrama über die Grenzen der Liebe ausgebaut. Dabei schaffte sie das Kunststück, die sensible Darstellung einer platonischen Liebesbeziehung zwischen einem Erwachsenen und einer Minderjährigen jenseits des naheliegenden Missbrauchsverdachts glaubhaft zu machen. Allerdings bleiben bei der Motivation des Familienvaters allzu viele Fragen unbeantwortet. Auch das Verhältnis zwischen Dole und ihrer unsicheren Mutter, die von Juliane Köhler mit souveräner Leinwandpräsenz verkörpert wird, wird leider nur angerissen.

    Auf gespaltene Reaktionen dürften auch die gelegentlich zu sentimentale Musik und die verspielte Kameraführung stoßen. Trotz dieser Schwächen ist die ungewöhnliche Ostsee-Romanze aber allemal einen Kinobesuch wert.

    Reinhard Kleber, ddp

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