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  • Kritik: Geschichten um eine Pizzeria

    Hamburg. In den 60er Jahren kommt die Familie Amato aus Italien nach Duisburg. Dort ist das Leben trostlos wie die Arbeit, die Wohnung und das mickrige Gemüse.

    Vater Romano hat den Untertage- Job satt, Mutter Rosa hat Heimweh. Sie eröffnen eine Pizzeria und nennen sie nach ihrem Heimatdorf Solino. "Eine intime Familienchronik" nennt Fatih Akin ("Kurz und schmerzlos") seinen neuen Film mit Moritz Bleibtreu und Barnaby Metschurat in den Rollen der rivalisierenden Brüder Gigi und Giancarlo.

    "Das Interessante an dem Drehbuch von Ruth Toma war, dass es für mich immer einen persönlichen Bezug gab", erzählt der Regisseur, der als Sohn türkischer Eltern in Hamburg aufwuchs. "Obwohl es für mich das erste Fremddrehbuch ist, ist es vielleicht der persönlichste Film, den ich je gemacht habe", erklärt der Regisseur, "meine Eltern sind auch ausgewandert, ich habe einen Bruder, und es geht um die Liebe zum Film. Das sind alles Sachen, die mich voll ausgefüllt haben."

    Per Einbruch zur ersten Kamera

    Auch Ruth Toma hat in ihrem Buch ein Stück Familiengeschichte verarbeitet. Die Eltern ihres Mannes Sebastiano eröffneten in den 60er Jahren in Oberhausen eine Pizzeria. Zwanzig Jahre umfasst die Chronik der Amato-Familie und ihrer Söhne. Der eifersüchtige Giancarlo, der seinem Bruder zwanghaft alles wegzunehmen trachtet, schafft es in keinen Job. Gigi dagegen weiß schon als Junge, dass er Filmemacher werden will. Er lernt den italienischen Meisterregisseur Baldi (Vincent Schiavelli) kennen, der in seinem Viertel dreht. Für eine kurze und aufregende Zeit wird das "Solino" zur Kantine des Filmteams.

    Für seine erste Filmkamera bricht Gigi, angestiftet von Giancarlo, bei einem Fotohändler ein, der ihm das gute alte Stück am Ende schenkt. Doch die Auszeichnung für seinen ersten Dokumentarfilm kann er sich beim Filmfest Oberhausen nicht selbst abholen, da ist Gigi schon wieder mit der an Leukämie erkrankten Mutter in Italien und wartet auf den Bruder, der nicht kommt und an seiner Stelle den Preis entgegennimmt.

    Resignierte Anpassung der Familie an den Zeitgeist

    Geplatzte Träume und Kompromisse: In den 80er Jahren verödet die Pizzeria in Dortmund im Zeitgeist-Design, Gigis Traum vom Film versandet in einem stillgelegten italienischen Freilichtkino, Giancarlo geht zum Fernsehen. Nach dem temperamentvollen Aufbruch aus Italien, der schönsten Phase des Films, schließt sich der Kreis bei einer italienischen Hochzeitstafel. In resignierter Anpassung an die Zeit- und Lebensläufe ist die Familie in ihrem Heimatort wieder für ein paar Tage vereint.

    "Uns war wichtig, dass der Film elegant aussieht"

    "Solino" ist ein vitaler Film, der drei Epochen nahtlos miteinander verknüpft und sich dabei an den Filmen des Neorealismus orientiert. "Uns ging es um die Reinheit der Bilder", betont Fatih Akin, der kein Starkino, sondern einen soliden Schauspielerfilm machen wollte. "Uns war wichtig, dass der Film elegant aussieht", sagt der Regisseur, "wenn ich an Italien denke, denke ich an Eleganz, die aber nicht teuer oder schick sein muss, sondern praktisch und fließend."

    Ricarda Schrader, dpa

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