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  • Kritik: Geschichte einer verführten Jugend

    Wenn es um die Darstellung der NS-Zeit in Deutschland geht, wird in Filmen gern mit den Mustern gut und Böse gearbeitet. Dennis Gansels «Napola - Elite für den Führer» ist wohltuend anders. Er erzählt die Geschichte von dem Boxertalent Friedrich aus der Arbeiterschicht und dem Schöngeist Albrecht, Sohn eines Gauleiters.

    Die beiden Jugendlichen begegnen sich zufällig in einer Napola (Nationalpolitische Erziehungsanstalt) und freunden sich an. Der Film spielt im Jahr 1942. Das Hitler-Regime ist auf dem Höhepunkt seiner militärischen und politischen Macht. In den Napolas soll die künftige Elite des Deutschen Reiches herangezogen werden.

    Zwar stammen Friedrich Weimer (Max Riemelt) und Albrecht Stein (Tom Schilling) aus völlig verschiedenen Schichten, dennoch spielt nicht der eine den Guten und der andere den Bösen. Vielmehr stattet der junge Regisseur seine beiden Hauptfiguren mit starken Charakteren aus. Auf diese Weise schafft es Gansel darzustellen, warum Friedrich an das System glaubt, während Albrecht seine Zweifel hat.

    «Berührungsangst ist die falsche Formulierung», meint Tom Schilling über seine Rolle. Die NS-Zeit sei schließlich ein Stück deutscher Geschichte. «Aber so, wie sie in diesem Film dargestellt wird, habe ich es in den Geschichtsbüchern nicht erfahren. Es hat mir den Blick geöffnet, warum sich 15-Jährige für den Endkampf geöffnet haben.» Diese Aussage Schillings steht für die Absicht, mit der Regisseur Gansel diesen Film produziert hat.

    «Napola - Elite für den Führer» ist eine anrührende Geschichte, ohne dass der brutale Hintergrund der Zeitgeschichte vergessen wird. Der Film fesselt den Zuschauer über die gesamte Länge von 110 Minuten und ist frei für Jugendliche ab zwölf Jahren. «Ich möchte die Leute unterhalten und ihnen etwas mitgeben. Das ist für mich die Königsdisziplin», sagt Gansel über seinen Film. Diesem Anspruch scheint der junge Regisseur gerecht zu werden. Hervorragend besetzt ist der Film auch in den Nebenrollen mit Devid Striesow (Ausbilder Heinrich Vogler) und Justus von Dohnanyi (Gauleiter Heinrich Stein).

    Insgesamt dreieinhalb Jahre arbeitete Gansel an diesem Film und achtete dabei auch auf Kleinigkeiten. Rund 500 Uniformen wurden handgenäht, umfassende Interviews geführt. Unter anderem mit ehemaligen Napola-Schülern wie Hellmuth Karasek oder Hardy Krüger. «Sie erzählten uns von typischen Ereignissen in Napolas, wie dem Bettnässen von Schülern, dem Eistauchen, der Härte mancher Ausbilder, aber auch der Kameradschaft zwischen den Schülern.»

    Bereits vor dem offiziellen Kinostart hat die 4,6 Millionen Euro teure Produktion des jungen Regisseurs mehre Preise gewonnen. Hauptdarsteller Max Riemelt wurde beim Filmfest in Karlsbad (Karlovy Vary) als bester Darsteller geehrt. Auf dem Filmfest «The Hamptons» in den USA gewann «Napola » den Publikumspreis.

    dpa

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