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  • Kritik: Genie und Monster

    Wer Peter Sellers weiter nicht nur für einen genialen Schauspieler, sondern auch für einen angenehmen Menschen vom Schlage eines Inspektor Clouseau halten will, sollte sich gründlich überlegen, ob er sich Sellers neue Filmbiografie ansieht.

    Denn Oscar-Preisträger Geoffrey Rush lässt ihn in «The Life and Death of Peter Sellers» nicht nur als großen Komödianten nahezu lebensecht auferstehen, sondern auch als selbstsüchtigen Tyrannen, der Sellers im echten Leben gewesen sein soll. Der Film zeigt den vor 25 Jahren gestorbenen Filmstar als rücksichtslosen Egomanen, der seinen Frauen und Kindern das Leben zur Hölle machte.

    Der Mittelpunkt des Films ist ein brillanter Rush, der vor allem in Sellers' bekannten Filmrollen Unglaubliches leistet. Die herzhaft komische Szene, in der Sellers den nervtötenden Inspektor Clouseau im Flugzeug an einer ahnungslosen Stewardess ausprobiert, wirkt so echt, als stamme sie direkt aus einem Film über den «Rosaroten Panther». Weitere Höhepunkte sind die Figuren aus Stanley Kubricks «Dr. Strangelove», in dem Sellers drei Rollen spielte, oder der würdevolle Gärtner Chance im späten Meisterwerk «Being There». Rush wurde jeden Tag mindestens fünf Stunden lang geschminkt, alte Filmdekorationen und Kostüme wurden mit großer Detailverliebtheit nachgebaut. Der Lohn waren ein Golden Globe für Rush und einer für den Film als besten TV- Streifen.

    Doch wenn es um den Sellers zwischen den Filmrollen ging, stand die Filmcrew um Regisseur Stephen Hopkins («Lost in Space», «24») vor einem Problem: Es gibt unterschiedlichste Erinnerungen, wie der «echte» Sellers war. «Mich gibt es nicht», hatte der Komiker selbst einmal ausgerechnet Kermit dem Frosch in einer «Muppet-Show»-Sendung erzählt. «Es gab mal ein Ich, doch ich habe es chirurgisch entfernen lassen.» Hinter dem Scherz steckte eine bittere Wahrheit: Sellers, der mit Leichtigkeit aus einer Rolle in die andere schlüpfen konnte, soll nach Überlieferungen ein zutiefst unglücklicher, von Selbstzweifeln zerfressener Mann gewesen sein, der Zuflucht hinter den vielen Masken und einem luxuriösen Lebensstil suchte.

    So drängt sich die dunkle Seite des Schauspiel-Genies, das Millionen zum Lachen brachte, auch in den Vordergrund des Films. Sellers zertrampelt die Spielzeug-Eisenbahn seines kleinen Sohnes, nachdem dieser einen Kratzer am neuen Bentley hilfsbereit übermalt hat. Sellers verlässt seine Familie und sagt seiner Tochter: «Natürlich liebe ich dich, aber ich liebe Sophia Loren noch mehr.» Sellers verpasst seiner zweiten Frau Britt Ekland ein blaues Auge. Das alles sind Bilder, die im Gedächtnis haften bleiben, allein schon, weil sie zu Sellers' Figuren wie dem harmlosen und zutiefst unschuldigen Clouseau in scharfem Kontrast stehen.

    Die Rolle des tollpatschigen Pariser Detektivs Couseau, die ihn zum internationalem Filmstar machte, wurde für Sellers Segen und Fluch zugleich. Beim Publikum blieb es sein beliebtester Part, und so war der Verwandlungskünstler irgendwann in der einen Figur gefangen. In den 70ern musste er in den immer schwächer werdenden «Panther»- Fortsetzungen mitspielen, um die Ansprüche seiner bis dahin drei Ex- Frauen und seinen eigenen kostspieligen Lebensstil zu finanzieren. Er starb mit 54 vereinsamt an einem Herzanfall.

    Der Film baut auf einem cleveren Konzept auf: Rush schlüpft für kurze Augenblicke auch in die Rolle anderer Figuren aus Sellers' Leben - und so soll der Eindruck entstehen, dass der große Mime wieder einmal alle Rollen selbst gespielt hat. Obwohl bekannte Schauspieler wie Charlize Theron (Eklund), Stanley Tucci (Kubrik) oder John Lithgow (Blake Edwards) mit dabei sind, lässt der Streifen letztlich den Glanz eines großen Kinofilms vermissen. Schuld daran ist vielleicht der Erzählrhythmus, der den Zuschauer mit immer neuen Verwandlungen, Rollen, Prominenten überschüttet, eilig, ernst und gewissenhaft bis zur Monotonie.

    Der Tod von Sellers wird - entgegen dem Filmtitel - nicht gezeigt. Der Gedanke dahinter ist wohl, dass Sellers als Persönlichkeit schon zu Lebzeiten nicht mehr existierte, sondern in seinen Charakteren aufging. Dabei hätte noch der letzte bittere Scherz des großen Komikers den Film abrunden können. Auf seiner Beerdigung ließ er den Swing-Klassiker «In The Mood» spielen. Wer ihn gut kannte, wusste: Sellers hatte den Song schon immer gehasst.

    dpa

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