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  • Kritik: Genial und tödlich - Tom Tykwer verfilmt «Das Parfum»

    Mehr als zwei Jahrzehnte hat der öffentlichkeitsscheue Autor Patrick Süskind die Rechte an seinem Bestseller «Das Parfum» gehütet wie einen großen Schatz. Produzent Bernd Eichinger («Der Untergang») und Regisseur Tom Tykwer («Lola rennt») bringen den weltweit 15 Millionen Mal verkauften Roman jetzt erstmals auf die Leinwand.

    Es ist die mit rund 50 Millionen Euro bislang teuerste deutsche Filmproduktion. Herausgekommen ist ein opulentes Werk mit grandioser Ausstattung und bemerkenswerten Schauspielern, das am Ende dennoch am tieferen Sinn dieser unmoralischen und gottlosen Geschichte zweifeln lässt.

    Im Mittelpunkt der von Lesern aller Altersklassen verschlungenen Handlung steht der eigentümliche junge Mann Jean-Baptiste Grenouille, der auf der Suche nach dem perfekten Duft zum Serienmörder wird. Sein Geburtsort Paris stinkt im 18. Jahrhundert zum Himmel. Schweiß aus ungewaschenen Kleidern, Exkremente aus einfach auf die Straße ausgeleerten Nachttöpfen, verfaulter Fisch unter den Marktständen, Puder aus staubigen Perücken, glitschige Muscheln in Verkaufskörben und ätzende Dämpfe aus den Gerbereien: Das sind die Gerüche, mit denen Grenouille aufwächst.

    In kurzen, schnellen Schnitten zeigt Tykwer, wie die Welt mit ihren Gerüchen auf Grenouille einstürmt und in seiner Nase ein ganzes Universum erstehen lässt. So realistisch ist die Inszenierung, dass sich auch der Kinozuschauer immer wieder unwillkürlich die Nase zuhalten will. Der auf der großen Kinoleinwand bislang weitgehend unbekannte Brite Ben Whishaw spielt Grenouille, der bald merkt, dass er eine besondere Gabe hat: Selbst völlig ohne Eigengeruch, kann er in seiner Umwelt auf geniale Weise die komplexesten Düfte auseinander halten.

    Nach einer Lehre bei Parfumeur Giuseppe Baldini, voller Witz gespielt von Dustin Hoffman, steht sein Plan fest. «Grenouille ist in einem fanatischen Sinne konzentriert auf sein so genanntes höheres Ziel - das da wäre, den ultimativen Duft zu kreieren», sagt Tykwer. «Das ist eine narzisstisch angetriebene, egozentrische Neigung, denn er will ihn ja sich selbst auftragen, um dann von allen geliebt zu werden.» Jungfräuliche Mädchen duften für Grenouille am feinsten. So macht er sich auf, ihren Duft zu konservieren - jedes Mal mit tödlichem Ausgang für sein Opfer.

    Tatsächlich kann Grenouille gar nicht wissen, was Liebe ist. Seine Mutter wollte ihn gleich nach der Geburt in einer Kiste Fisch verrotten lassen, die Waisenhaus-Besitzerin beutet ihn ebenso aus wie der Gerberei-Chef und letztlich auch Baldini. Sein Wunsch nach einem eigenen Duft entspringt auch nicht einem Machtstreben, sondern wohl vor allem der Sehnsucht, endlich jemand zu sein.

    Im Gegensatz zum Roman ist der Film-Grenouille kein hässlicher, verwachsener Mann, sondern ein junger, durchaus attraktiver Bursche. Diese Veränderung spiele keine Rolle, meint Tykwer. Entscheidend sei, die «vernarbte Seele» dieses perversen Mörders darzustellen. Der 25-jährige Whishaw, von Tykwer am Londoner Old Vic Theatre entdeckt, spielt den tief in seine abstruse Gefühls- und Gedankenwelt verstrickten Charakter als fast traumwandlerisch Abwesenden und Verirrten.

    Zelebriert wird die Anmut seiner jungen, rothaarigen Opfer: Schöne, durchkomponierte Bilder zeigen unter anderem Rachel Hurd-Wood als Laura und Karoline Herfurth als Mirabellen-Mädchen. Unterlegt ist das Ganze mit schwärmerischer Musik - von Tykwer, Johnny Klimek und Reinhold Heil komponiert und von den Berliner Philharmonikern unter Sir Simon Rattle eingespielt. Er habe eine große Verantwortung gegenüber den Menschen gespürt, die das Buch verehren, sagt Tykwer. «Das ist nicht irgendein Bestseller. "Das Parfum" ist ein Buch, das Menschen mit einer bis an die Obsessivität grenzenden Euphorie verschlungen und dann immer und immer wieder gelesen haben. Das Buch hat offenbar einen sehr archaischen Punkt getroffen.»

    Elke Vogel, dpa

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