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  • Kritik: Gena Rowlands im Debutfilm ihres Sohne Nick Cassavetes "Ein Licht in meinem Herzen"

    Frankfurt/M (AP) Gena Rowlands ist eine der besten Schauspielerinnen des Kinos, und das stellt sie auch in ihrem neuen Film "Ein Licht in meinem Herzen" unter Beweis. Sie spielt eine Witwe mittleren Alters, die nach dem Auszug der Kinder auf sich allein gestellt ist und vor der Frage steht, wie es in ihrem Leben weitergehen soll. Das Thema ist so alltäglich wie als Filmstoff ungewöhnlich. Der 37jährige Nick Cassavetes hat daraus eine realitätsnahe Geschichte geschrieben und als seine erste Regiearbeit umgesetzt. Am nächsten Donnerstag kommt der Film in die deutschen Kinos.

    Das Milieu der Geschichte ist das typische gutsituierte Wohnviertel mit Einfamilienhäusern. Mildred muß nicht arbeiten, um finanziell über die Runden zu kommen. Als ihre Tochter nach Streitereien mit jugendlichem Trotz ausgezogen ist, bietet sich Mildred eine neue Aufgabe als Ersatzmutter. Ihre junge Nachbarin Monica hat sich im Streit von Ehemann Frankie getrennt und bittet sie, auf den sechsjährigen J.J. aufzupassen.

    Beim Lernen, Spielen, Musizieren und Geschichtenerzählen wächst der Junge Mildred natürlich ans Herz. Monica, die so viel selbstlose Hilfsbereitschaft nicht gewöhnt ist, will sich bei ihrer Nachbarin mit einem Abend in der Stammkneipe bedanken. Dort stellt sie ihr den Fernfahrer Big Tommy (Gerard Depardieu) vor, der sich von den reifen weiblichen Reizen angezogen fühlt. Der Abend endet mit einem Abschiedskuß im Truck.

    Gerade als Mildred sich in ihren neuen Lebensumständen wohlzufühlen beginnt, stellt sie ihr Sohn vor eine grundlegende Entscheidung. Sie kann in sein neues Traumhaus in San Francisco einziehen und sich um den von seiner Frau erwarteten Enkel kümmern. Doch sie zögert und sagt: "Ich habe ein Leben bei mir zu Hause, das mir sehr gut gefällt." Dann allerdings versöhnen sich Monica und Frankie, und J.J. kommt immer seltener.

    Das Alleinsein wird immer bedrückender für Mildred, sie spürt die Trostlosigkeit besonders, als sie allein in die Kneipe geht, wo sie Tommy kennengelernt hat. Der Barkeeper übersieht sie zunächst absichtlich, und sein abschätzig-wissender Blick spricht Bände. Was sich in dieser Szene im Gesicht von Gena Rowlands abspielt, erzählt ein ganzes Leben und ist große Schauspielkunst: Ihre Züge zeigen gleichzeitig Illusionslosigkeit und Sehnsucht wie auch ein Schwanken zwischen Selbstgewißheit und Verzweiflung. "Einsamkeit ist ein großes Thema", sagte Rowlands kürzlich in einem Fernsehinterview.

    Der Film endet mit einer optimistischen Perspektive: Mildred entschließt sich, ihrem Leben noch einmal eine völlig neue Richtung zu geben. Von schicksalhaften Neuanfängen singt Popstar Cyndi Lauper in "Unhook the Stars". Der Film bezieht sich auf diesen Song und hat den Titel in der Originalfassung übernommen.

    Mit seinem gelungenen Regiedebüt ist der Schauspieler Nick Cassavetes in die Fußstapfen seines 1989 gestorbenen Vaters John Cassavetes getreten, der mit seiner Frau Gena Rowlands eine ganze Reihe herausragende Filme als Independent-Produktionen drehte. Auch der 37jährige setzt vor allem auf die Schauspieler. Erfolg oder Mißerfolg eines Films seien letztendlich auf die Qualität ihrer Darstellungsweise zurückzuführen, meint er. Die Rolle der Mildred hat er seiner mittlerweile 61jährigen Mutter auf den Leib geschrieben; sie habe ja auch mit ihrer persönlichen Geschichte zu tun.

    Neben der herausragenden Gena Rowlands ist Gerard Depardieu als sensibler Truckfahrer im Holzfällerhemd eine Überraschung. Er trug ganz wesentlich zum Zustandekommen des Films bei, indem er den französischen Produzenten Rene Cleitman dafür interessierte. Auch Oscar-Preisträgerin Marisa Tomei ist in der Rolle der problembeladenen, etwas flippigen Monica äußerst sehenswert.

    Von AP-Korrespondentin Inge Treichel

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