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  • Kritik: Geheimnisse aus Neuseeland

    Seit fast zwei Jahren räumt Regisseur und Drehbuchautor McGann bei internationalen Festivals mit seinem Debüt «In My Father's Den» Preise ab. Das Familiendrama um einen heimgekehrten Kriegsfotografen, «Als das Meer verschwand», kommt nun in die deutschen Kinos.

    Nach dem Ende Oktober angelaufenen «No. 2» ist dies ein weiteres Stück für großes Kino aus Neuseeland: Brad McGann ist eine vielschichtige Romanstimmung mit fein gezeichneten Charakteren geglückt, dicht und sicher erzählt und sensibel in der Kameraführung von Stuart Drysburgh («Das Piano»). Das ist poetisches und raffiniertes Kino, wie es rar ist und manchmal an Werke Kieslowskis erinnert.

    Paul, Mitte 30, hat fast vergessen, wie ruhig es in seiner neuseeländischen Heimat sein kann. Der ausgebrannte Kriegsfotograf kehrt nach Jahren im Ausland zur Beerdigung seines Vaters heim. Die Stimmung ist so trist wie die matten Farben der spröden und rauen Winterlandschaft voll Obstplantagen.

    Sein Bruder Andrew (Colin Moy) ist ihm - wie vieles in der Kleinstadt sonst - fremd geworden. Ihre Mutter starb früh, und die Geheimnisse um ihren Tod hat die beiden Männer für immer voneinander entzweit. Das ist ein klassischer Bruderzwist und Dreh- und Angelpunkt dieses ruhigen Films mit stimmungsvoller Musik von Patti Smith und Kiri Te Kanawa.

    Andrew züchtet Straußenvögel und ist verheiratet mit Penny (Miranda Otto), die wie seine Mutter aussieht. Und im Grunde gibt es nichts, was Paul (Matthew Macfadyen) in dieser Einöde einen Tag länger halten könnte, wenn es nicht die Erinnerungen und Begegnungen mit Menschen von früher gäbe: mit seiner Lehrerin, seiner Ex-Freundin Jackie (Jodie Rimmer) und deren Tochter Celia.

    In seiner früheren Schule erzählt Paul den Teenagern erst von seinen Kriegserlebnissen, fängt dann als Lehrer an, und die aufgeweckte und intelligente Celia verliebt sich in den Mann, der ihr Vater sein könnte. Wie Paul will sie in den Journalismus oder Schriftstellerin werden.

    Die beiden treffen sich in der alten Hütte von Pauls Vater, einem intimen Ort vieler schöner, aber auch traumatischer Erinnerungen. Je näher sie sich kommen, desto mehr wächst der Argwohn der Kleinstädter. Anders als Maurice Gees Roman von 1969 verzichtet der Film auf eine Sexualisierung der Beziehung.

    Paul unterstützt die ambitionierte 16-Jährige, die mit ihrem Aufsatz «Als das Meer verschwand» einen Wettbewerb gewinnt. Bei ihm findet Celia - von Emily Barclay mit reifer Tiefe dargestellt - ein Zuhause. Hier entkommt sie zeitweilig den Schlägen und den sexuellen Anmachen des neuen Freundes ihrer Mutter Jackie.

    Doch als die fernwehgeplagte Celia eines Tages verschwindet, gerät nicht Jackies Brutalo-Lover, sondern Paul in einen Sog aus Verdächtigungen und offenen Anfeindungen. Während das Leben weiter geht, die Ermittler belastende Spuren finden, webt das Drehbuch Pauls Gedanken als Rückblenden ein. Die Zeitebenen greifen geschickt ineinander, ohne dass der rote Faden zwischen dem, was ist und schon gewesen ist, verloren ginge. Und auch das Tempo des zweistündigen Films steigert sich von dem sehr langsamen und etwas betulichen Anfang hin zu einem dichten Finale mit Elementen des Thrillers.

    Als Paul und Andrew sich zu einer Aussprache am Fluss treffen, reißen die Wunden der Vergangenheit auf, und es wird das schreckliche Geheimnis um Celias Verschwinden gelüftet. Matthew Macfadyen («Stolz und Vorurteil») gibt diesem Paul in allen Facetten - vom desillusionierten Kriegsfotografen über Celias verschlossenen und väterlichen Freund bis hin zu dem von seinem Vater tief enttäuschten Sohn - viel Glaubwürdigkeit. Seine darstellerische Kraft ist wie der Film: stark, emotional und komplex.

    Ulf Mauder, dpa

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