40.000
  • Startseite
  • » Kritik: Gefühlsgeladene Geschichte
  • Kritik: Gefühlsgeladene Geschichte

    Zwei kleine Mädchen spielen am Strand, unbekümmert und unzertrennlich. Noch ahnt keiner, wie unterschiedlich das Leben der beiden musikalischen Schwestern aus Großbritannien einmal verlaufen wird.

    Jacqueline du Pre wird eine berühmte Cellistin, heiratet den bekannten Pianisten und Dirigenten Daniel Barenboim und feiert weltweit Triumphe. Hilary fällt durchs Flöten-Examen, zieht mit ihrem Mann aufs Land und wird Mutter. Der britische Regisseur Anand Tucker hat in seinem Kinodebüt

    die spannende Geschichte der beiden Schwestern und ihrer komplexen Beziehung auf die Leinwand gebracht.

    Anand, ein Dokumentarfilmer, lehnte seinen Streifen an das Buch "A Genius in the Family" ("Ein Genie in der Familie") von 1997 an, in dem Hilary und ihr Bruder Piers du Pre ihre Erinnerungen schildern. Am kommenden Donnerstag (5. August) startet "Hilary Jackie" in den deutschen Kinos.

    "Hilary Jackie" ist eine gefühlsgeladene Geschichte über schwesterliche Rivalität", sagt Drehbuchautor Frank Cottrell Boyce. "Alles in dem Film ist wahr", betont die heute 55-jährige Hilary. Doch von Rivalität will sie nichts wissen - die habe es nicht gegeben. "Jackie war der wunderbarste Mensch und die bedeutendste Cellistin auf der Welt", erzählt Hilary. So viel Falsches sei über ihre Schwester geschrieben worden; deshalb hätten sie und ihr Bruder ihre Erinnerungen an Jackie und die Familie niedergeschrieben, schildert sie die Motivation für das Buch.

    Sogar ihren Mann teilt Hilary mit Jackie, als diese plötzlich, in schlechter psychischer Verfassung, auf dem Land auftaucht und eine Liebesnacht mit Kiffer fordert - auch im Film ein spannungsgeladener Moment. "Ich hätte das nicht tun können, wenn ich sie nicht geliebt hätte", sagt Hilary. "Sie war zu dieser Zeit überzeugt, dass niemand sie liebte."

    "Ich hatte alles, wonach Jackie sich sehnte", sagt Hilary zwölf Jahre nach dem Tod ihrer brillanten Schwester. Mit 28, auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, erkrankt die Cellistin an der unheilbaren Multiplen Sklerose. Einen Cellobogen kann sie bald nicht mehr halten. 1987 stirbt sie im Alter von 42 Jahren.

    Vor allem Hauptdarstellerin Emily Watson ("Breaking the Waves") vermag in dem Film durch ihre ergreifende Darstellung Jackies zu überzeugen: ein schwieriger, oft fordernder, aber auch leidenschaftlicher Charakter, mal himmelhochjauchzend, mal zu Tode betrübt. "Jackie hasste es, in Hotels zu sein, zu reisen, alleine zu sein", berichtet ihre Schwester. Genauso wie Rachel Griffiths ("Hilary") war Watson in diesem Jahr für den Oscar nominiert.

    Auch die wunderbare Musik, darunter du Pres Meisterstück, das Cello-Konzert in E-Moll von Edward Elgar, zieht die Zuschauer in ihren Bann. Insgesamt bleibt der Film aber ein "solides englisches Mainstream-Drama mit vielen guten Nebendarstellern und zwei hervorragenden Hauptdarstellerinnen", so die "Neue Zürcher Zeitung", die Hilarys Buch-Erinnerungen im übrigen als "'Abrechnung' mit ihrer berühmten Schwester" bezeichnet.

    In Großbritannien sorgte der Film denn auch für einigen Wirbel. Namhafte Musiker wie Itzhak Perlman, Mstislaw Rostropowitsch und Pinchas Zukerman und der mittlerweile gestorbene Lord Yehudi Menuhin äußerten sich empört. In einem gemeinsamen Leserbrief an die "Times" heißt es, Jacqueline werde fälschlich als "selbstsüchtig, verzogen und manipulierend" dargestellt. "Dies ist nicht die Jacqueline du Pre, die wir als ihre Freunde und Kollegen kannten."

    Auch eine Tochter von Hilary und Kiffer meldete sich in der "Times" zu Wort: Ihr Vater sei ein "Aufreißer" gewesen und kein Opfer weiblicher Lustgefühle, meint Clare Finzi. "Mein Vater hatte mehrere Affären und suchte sich gerne Frauen, die verloren und ihrer selbst nicht sicher waren."

    Nathalie Wagner, dpa

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Montag

    -4°C - 2°C
    Dienstag

    1°C - 3°C
    Mittwoch

    3°C - 6°C
    Donnerstag

    4°C - 8°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Umfrage: Feiertagsruhe

    Ist es noch zeitgemäß, an etlichen Feiertagen Musik-, Sport- und Tanzveranstaltungen zu verbieten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!