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  • Kritik: Gefangen in der eigenen Rolle

    Eine Kutsche rast durch die Dämmerung. Kaum im Dorf angelangt, schlägt ihrem einzigen Fahrgast Furcht entgegen. Niemand traut sich in der Nacht ins Freie und schon gar nicht zum nahen Schloß des Grafen. Der Fremde geht dennoch in die anbrechende Nacht. Ein nervenaufreibendes Abenteuer beginnt.

    Der Londoner Anwalt Renfield (Peter MacNicol) wandelt durch vertraute Szenerien und trifft auf bekanntes Personal. Allen voran Graf Dracula. Der ist von finsterer Schönheit. Seine Augen glühen. Um seine Schulter flattert ein schwarzes Cape, und weiß blitzen seine Zähne. Er ist der Fürst der Nacht. Allerdings trägt er diesmal eine besonders alberne Perücke, denn er wird von Leslie Nielsen verkörpert, dem Star-Trottel der Nackten-Kanone-Serie.

    Nach etwa 180 Kinoversionen der klassischen Dracula-Erzählung hat sich der Parodie-König Mel Brooks diesmal zunächst zu einer Hommage an die Klassiker entschlossen. Mit größter Sorgfalt inszeniert er in erlesenen Dekors und in romantischem Licht schwelgerische Bilder vom Grafen, der in Blut und verbotenen Lüsten badet. Brooks hat alle seine 'Meister' studiert. Er kennt von Murnaus Nosferatu bis zu Coppolas Dracula alle Vampire, die mal homo-, mal bi- oder auch schlicht heterosexuell ihren blutrünstigen Neigungen nachgingen und dabei in erster Linie verbotene Bilder für die verdrängte Erotik puritanischer Gesellschaften lieferten.

    Doch Mel Brooks weiß, daß sich Erotik und Humor schwer vereinbaren lassen. Und so entscheidet sich der Darsteller Brooks im Zweifelsfall immer wieder für Gags; wild entschlossen spielt er den Dracula-Jäger Van Helsing selbst. 'Ich bin stets enttäuscht, wenn in einem Woody-Allen-Film Woody nicht selbst auftritt', sagt er. Und gibt dem Affen Zucker. Wie Dracula unter seiner Unsterblichkeit leidet, statt sie zu genießen, so ist der Regisseur Brooks gefangen vom Clown Brooks - und genießt es.

    Immer wenn Dracula ernsthaft packend werden könnte, durchbricht der Slapstick-Meister in Brooks irritierend die Atmosphäre und läßt Leslie Nielsen eine Treppe herabstürzen oder gegen eine Glasscheibe klatschen. Laughter in the Dark statt Grusel in der Grabesgruft. Gebissen wird hier für Kenner des Genres und für Liebhaber von Albernheiten. Einen seriösen Film, so sinnierte Brooks kürzlich, könnte er wohl nur unter Pseudonym, etwa seinem bürgerlichen Namen Melvin Kaminsky, herausbringen. Lachen wir also mit, wenn seine Gattin, die wunderbare Anne Bancroft, hier einen Kurzauftritt als überkandidelte Zigeunerin absolviert.

    BODO FRÜNDT DRACULA - DEAD AND LOVING IT, USA 1995 - Regie: Mel Brooks. Buch: Mel Brooks, Rudy De Luca, Steve Haberman. Kamera: Michael D. O'Shea. Musik: Hummie Mann. Darsteller: Leslie Nielsen, Peter MacNicol, Steven Weber, Mel Brooks. Verleih: Columbia. 91 Minuten.

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