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  • Kritik: Gefangen im Labyrinth der Täuschungen

    Es beginnt mit einer Lüge, dann folgt die nächste, und irgendwann steckt Annika (Katharina Schüttler) fest, gefangen im Labyrinth der Täuschungen. Die 18-jährige Schülerin bleibt ein Jahr vor dem Abitur zum zweiten Mal sitzen, fliegt von der Schule, traut sich aber nicht, ihren Eltern die bittere Wahrheit zu gestehen.

    Annika nimmt eine Auszeit vom Alltag, ein ganzes Jahr lang Ferien, verkriecht sich in einem schrottreifen Bus, fälscht Klausuren, bricht bei ihrem Lehrer ein und baut immer hektischer und verzweifelter an einem Lügengebäude, das eines Tages natürlich einstürzen muss.

    Ein Leben gerät ins Trudeln, kommt aus dem Gleichgewicht. Davon erzählt «Wahrheit oder Pflicht», ein eindringliches, aber keineswegs perfektes Jugenddrama von Jan Martin Scharf und Arne Nolting. Und wahrscheinlich gibt es zur Zeit in Deutschland kaum eine Schauspielerin, die das hilflos-trotzige Lavieren dieser Schülerin so überzeugend und intensiv darstellen könnte wie Katharina Schüttler.

    Die gebürtige Kölnerin, Jahrgang 1979, zählt zu den interessantesten neuen Gesichtern nicht nur des deutschen Films. Eine Frau, die das Extreme liebt und Risiken geradezu anzieht. Für ihre Darstellung einer verzweifelten Schwangeren in Michael Hofmanns Extrem-Drama «Sophiiie!» erhielt sie 2003 den «Förderpreis Deutscher Film», sie spielte in «Das weiße Rauschen», «Die innere Sicherheit» oder «3 Grad kälter» mit.

    Zudem ist sie regelmäßig in zumeist hochkarätigen TV-Produktionen zu sehen. Und damit nicht genug: Katharina Schüttler sorgt regelmäßig auf der Bühne für Furore. Am Schauspiel Hannover war sie als «Lolita» und «Jungfrau von Orlean» zu sehen, in Berlin feierte sie mit Regisseur Thomas Ostermeier Triumphe an der Schaubühne, als Hedda Gabler in Ibsens Drama, in Sarah Kanes «Zerbombt» oder Eugene O'Neills «Trauer muss Elektra tragen».

    Auch «Wahrheit oder Pflicht» wird ganz von Katharina Schüttler dominiert. Mit schnoddriger Coolness verkrallt sich die zierliche Schauspielerin in die labile Gefühlswelt einer 18-jährigen Schülerin. Einerseits ist sie die knallharte Göre, die sich von niemandem etwas vorschreiben lässt, am allerwenigsten von ihren Eltern. Mit stechendem Blick stellt sie ihre hilflos-naive Mutter (Therese Hämer) kalt.

    Auf der anderen Seite zeigt sie Verletzlichkeit, Unsicherheit, ungeahnte Sensibilität. Annika lässt sich von ihrem Nachhilfelehrer (Thorben Liebrecht) verführen und findet schließlich in dem Außenseiter Kai (Thomas Feist) einen Seelenverwandten. Eine zarte Beziehung keimt auf.

    dpa

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