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  • Kritik: "Funny Games" verwandeln ein Idyll in Grauen

    Leipzig (AP) Mit Familienglück beginnt, was zum Alptraum wird: Anna, Georg und ihr kleiner Sohn fahren zu Ferienbeginn in ihr hübsches Haus am See. Für den nächsten Tag sind sie mit den Nachbarn zum Golfen verabredet. Georg, gespielt von Ulrich Mühe, macht gemeinsam mit seinem Sohn das Segelboot flott. Anna bereitet das Abendessen vor. Plötzlich steht Peter, der höfliche, ganz in weiß gekleidete Gast der Nachbarn, in der Tür und bittet Anna um ein paar Eier. Bereitwillig kommt die Frau der Bitte nach.

    Das nahende Unheil kündigt sich an, als wohlerzogene junge Mann scheinbar aus Versehen das Handy, und damit die Verbindung zur Außenwelt, ins Spülwasser befördert. Dann fallen ihm auch noch die Eier aus der Hand. Anna, verkörpert von Susanne Lothar, reißt schließlich der Gelduldsfaden. Doch als sie Peter und seinen hinzugekommen mysteriösen Begleiter Paul aus dem Haus werfen will, zeigen die beiden ihr wahres Gesicht.

    Für die Familie wird die Phantasie eines Horrorromans zur grausamen Wirklichkeit. Die immer noch um höfliche Formen bemühten Eindringlinge treiben mit Anna, Georg und Sohn Schorschi ein Spiel auf Leben und Tod. Brutalität und Gewalt sind für die beiden ein Amüsement, ein '"Funny Game'. Für die Familie beginnt der Kampf ums nackte Überleben. Die Mittel und Methoden, mit denen die Killer sie demütigen und langsam zermürben, lassen den Zuschauer frösteln und erstarren.

    Regisseur Michael Haneke stellt in "Funny Games" das klassische Thriller-Genre auf den Kopf. Nach der Gewalt folgt noch größere Gewalt, ein Happyend gibt es nicht. Denn Haneke bedient sich eines raffinierten dramaturgischen Kniffs: Anna ergreift ein Gewehr und erschießt einen ihrer Peiniger. Daraufhin spult der überlebende Verbrecher diese Szene des Filmes per Fernbedienung zurück bis zu der Stelle, wo sie nach der Waffe greift. Diesmal ist Paul jedoch schneller als sie, verhindert die plötzliche, vom Zuschauer ersehnte Wendung zum Guten. Diese zweite Variante ist es dann auch, die bis zum bitteren Ende weitererzählt wird.

    "Ich versuche, Wege zu finden, um Gewalt als das dazustellen, was sie immer ist - als nicht konsumierbar", sagt Haneke über sein neuestes Werk. "Ich gebe der Gewalt zurück, was sie ist: Schmerz, eine Verletzung anderer." Dabei schont er den Zuschauer nicht, stellt mit schonungsloser Radikalität die verschiedenen Facetten der Gewalt dar.

    Der Film wird in seiner Intensität manchem unerträglich sein. Doch für alle, die nach einem intelligent gemachten Nervenkitzel im Kino oft genug schon vergeblich gesucht haben, ist er einen Besuch wert. Beeindruckend die schauspielerische Leistung der beiden Hauptdarsteller Ulrich Mühe und Susanne Lothar. Das Paar, das auch privat gemeinsame Wege geht, stellt glaubwürdig die Todesangst und Verzweifelung in einer solchen Situation dar.

    Haneke beschreibt mit seinem jüngsten Film einen neuen, ungewöhnlichen Weg weit ab geläufiger Hollywood-Muster. "Funny Games" erregte beim diesjährigen Filmfestival von Cannes als österreichischer Wettbewerbsbeitrag Aufmerksamkeit und auch Ablehnung. Ab 11. September können sich die deutschen Kinobesucher über den umstrittenen Streifen selbst ein Urteil bilden. Sie sollten es riskieren.

    Von AP-Korrespondentin Susann Huster

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