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  • Kritik: Frontalangriff auf die Sinne

    Der Anti-Antiweihnachtsfilm "Der Grinch", in dem ein unkenntlich gemachter Jim Carrey die Hauptrolle spielt, unternimmt von Anfang an einen Frontalangriff auf die Sinne. Es ist eine Strategie der Überrumpelung durch Kulissen und Kostüme, durch immer neue verblüffende Ideen.

    Der Grinch ist ein von Kopf bis Zeh grün behaartes Wesen, das im Innern eines Berges haust, inmitten eines ausgetüftelten Müll-Mobiliars. Er ist ein Menschenfeind, der ab und zu die verhassten Einwohner von Whoville heimsucht, um ihnen mit bösen Streichen Angst einzujagen. Besonders, wenn er von seinem Berggipfel aus das Städtchen in Weihnachtsbeleuchtung erstrahlen sieht und wenn Weihnachtslieder zu ihm empor schallen, läuft dem Wüterich schier die Galle über.

    Aber auch ein kleines Mädchen aus Whoville, Cindy Lou, zweifelt an dem Treiben. Überall gestresste Menschen, und die Hausfrauen wetteifern im Deko-Wahn. Cindy hört vom Grinch und will herausfinden, warum er das alles hasst. Sie bringt die "Who's" dazu, den einsamen Grinch zum Zeremonienmeister des Weihnachtsfestes zu machen. Der grüne Zottel kommt tatsächlich, wird zunächst gefeiert und dann wie in seiner Kindheit wegen seines Fells verlacht. Um sich zu rächen, stiehlt er in der Christnacht, in der Umkehrung des Nikolaus-Prinzips, via Kamin alle Geschenke. Damit stellt sich für die vom Geschenkeberg befreiten "Who's" die Frage nach dem Sinn des Trubels neu.

    Die Vorlage des Films ist ein Buch des 1991 verstorbenen Schriftstellers "Dr. Seuss" alias Ted Geisel, als Kinderbuchautor in den USA genauso berühmt wie seine Kollegin Astrid Lindgren in Europa. Seit 1937 schrieb und illustrierte er insgesamt 44 Kinderbücher, die durch ihre skurrilen Ideen und ihren nonkonformistischen Humor im angelsächsischen Raum längst Klassiker sind.

    Um die bizarre Parallelwelt des Dr. Seuss ins Bild zu setzen, durften sich in "Der Grinch" die Produktionsdesigner mal richtig austoben. Whoville ist der bonbonfarbene Horrortrip eines Innenarchitekten auf LSD, für den 57.000 Kubikmeter Styropor verbaut wurden. Es ist inspiriert von Dr. Seuss' Vorliebe für den Jugendstilarchitekten Antonio Gaudi, aber auch vom Nierentisch-Design der Fünfziger und von der Pop-Art. Es gibt kaum eine gerade Linie, die Autos sehen aus wie Spielzeug, und die Menschen haben aufragende Stupsnasen.

    Jim Carrey selbst trägt einen mit grüngefärbten Yak-Haaren besetzten Lycra-Anzug, hat Gummi-Applikationen im Gesicht, die an das Biest in Cocteaus Filmmärchen "Die Schöne und das Biest" erinnern, und konnte während des Drehs nur durch den Mund atmen. Die operettenhafte Ausstattungsorgie konkurriert mit einer Fülle von satirischen und aparten Momenten und verkehrt paradoxerweise die frohe Botschaft des Films, dass Weihnachten mehr ist als Geschenke, in ihr Gegenteil.

    Aus dem fantasievollen Buch ist das vollgestopfte Warenhaus eines Tannenbaumhysterikers geworden, mit der perfiden Drohung: Wer das Brimborium nicht mag, ist herzlos. Der verkannte Rebell Grinch, dem der geniale Jim Carrey durchaus psychopathische Züge verleiht, hätte das Trara sofort durchschaut. Am 23. November läuft der Kinderfilm an.

    Birgit Roschy, AP

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