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  • Kritik: Freundschaft auf Leben und Tod

    Hamburg - Der Fall des Hamburger Kaufmanns Helmut Hofer, dem im Iran wegen einer angeblichen Affäre mit einer Frau die Todesstrafe droht, sorgt derzeit für Aufsehen und Bestürzung. Denn alle vermeintlich-souveräne "Aufgeklärtheit" des Westens wird dabei zu einem verzweifelten Rütteln an den Gitterstäben eines Systems, das nach anderen Gesetzen funktioniert.

    Aus dieser beklemmenden Hilflosigkeit und einem ganz ähnlichen Stoff ist Joseph Rubens spannender Psychothriller "Für das Leben eines Freundes" gestrickt, der am 18. Februar in die Kinos kommt.

    Erneut stellt Ruben ("Der Feind in meinem Bett") dabei sein Faible für düster nuancierte Psycho-Geschichten unter Beweis: In diesem Fall ist es ein unbeschwerter Traumurlaub in Malaysia, der drei jungen Männern zum Verhängnis wird. Denn nach geradezu paradiesischen Wochen und der Abreise von Sheriff (Vince Vaughn) und Tony (David Conrad) wird bei Lewis (Joaquin Phoenix) ein Rest von dem Haschisch gefunden, das das Trio konsumiert hatte - und er wandert hinter Gitter.

    Erst zwei Jahre später erfahren Sheriff und Tony in New York vom Schicksal ihres Ferienfreundes: Eine junge Anwältin (Anne Heche) hat sie ausfindig gemacht, denn Lewis droht binnen weniger Tage nun die Hinrichtung. Nur wenn sich Tony und Sheriff bereiterklären, nach Malaysia zurückzukehren und ihren Teil der Verantwortung zu übernehmen, wird Lewis vor dem Strick bewahrt und die Todesstrafe in jeweils drei Jahre Haft für alle Beteiligten umgewandelt - Ein Gewissenskonflikt, auf den es keine einfache Antwort gibt.

    "Was würde ich tun?", lautet die Frage, die man sich denn auch, zurückgelehnt im Kinosessel, unweigerlich stellt. Das Ringen um Verantwortung, aber auch die Furcht um das eigene Leben zeigt sich in den Reaktionen von Tony und Sheriff - dabei läßt Vince Vaughn die Entwicklung Sheriffs vom zynisch-unbedarften Lebemann zum erwachsen Handelnden überzeugend nachvollziehen. Als kämpfende Löwin steht ihm eine engagierte Anne Heche gegenüber (in ähnlich starker Rolle jüngst als Präsidentenberaterin in "Wag the Dog" zu sehen), die als kompromißlose Anwältin ebenfalls eine Wandlung durchmacht - denn ihre erwachenden Gefühle für Sheriff machen für sie die Verlustangst der New Yorker um das bisherige Leben am eigenen Leibe spürbar.

    Ruben hat eine Art Kammerspiel an exotischen Plätzen inszeniert: Die entscheidenden Entwicklungen spielen sich im Inneren der Protagonisten ab. Heche und Vaughn gebühren hier besondere Lorbeeren. Die jeweiligen Umgebungen werden dabei zu Abbildern der Seelenlandschaften: Zunächst sehr farbenfroh während des Urlaubs, wandeln sie sich zu einem fahlen, bedrohlich wirkenden Blau in den Wolkenkratzerschluchten von New York und düsteren erdigen Tönen in Lewis' Gefängniswelt. Die Farben schwinden also, die Protagonisten jedoch entwickeln im Gegenzug immer mehr Ernsthaftigkeit. Bei aller Beklemmung ist "Für das Leben eines Freundes" somit zwar keine leichtverdauliche Thrillerkost, aber erzählt letztlich doch eine positive Geschichte - die des Erwachsenwerdens.

    Andrea Barthelemy, dpa

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